Ein Genre, bei dem einem zauberische Märchenwelten und geträumte Länder einfallen oder Geschichten, die mit Magie und Hexenmeistern zu tun haben, in denen Götter, Engel, Elfen, Feen, Gnome und andere übernatürliche Wesen agieren.
Alle Filme, die ihre Inhalte aus einer mehr oder weniger erfundenen Wirklichkeit beziehen mit Aspekten von Hexerei und erfinderischer Zoologie, qualifizieren als Fantasy.
In ihren herkömmlichsten Formen handeln sie von Prinzen und Prinzessinnen, Schwertern und Drachen.
In seine Essay „On Fairy-Stories“ reflektiert J.R.R. Tolkien über das Wesen des Fantasy-Genres:
Wir können uns, meint er, als Menschen Dinge oder Sachverhalte vergegenwärtigen oder denken, die so nicht existieren. Tolkien glaubt, dass Kunst unter anderem darin besteht, solchen Vorstellungen Gestalt zu geben durch die Erschaffung von Welten, die keinen beobachtbaren Tatsachen entsprechen. Diese anderen Welten seien von „fesselnder Fremdheit“, wenn es nur gelänge, sie mit genügend Einzelheiten auszustatten. Tolkien meint, dass eine Fantasy-Schöpfung an zu wenig Details scheitern kann.
Er betont, dass es dem Fantasy-Genre auf Verzauberung und nicht auf Zauberei ankäme. Verzaubert würden Autor wie Publikum durch eine „sinnlich wahrnehmbare“ andere Welt. Zauberei dagegen hätte Veränderungen im Diesseits zum Ziel. Sie sei deswegen keine Kunst, sondern eine Technik zur Handhabung von Dingen. Sie unterscheide sich grundlegend vom Verlangen nach einer lebendigen, bunten, erlebbaren anderen Wirklichkeit, das im Diesseits selbst durch Zauberei nicht gestillt werden könne. Dem Fantasy-Autor liege daher nicht wie einem Zauberer an Vortäuschung, Umgarnung oder Beherrschung seines Publikums. Er suche vielmehr Übereinstimmung im Erleben einer anderen Wirklichkeit.
Tolkien verteidigt das Fantasieren als eine natürliche Tätigkeit des Menschen. Es entspringe einer gelebten Wirklichkeit, die nicht verworfen, sondern gesteigert und dadurch sogar besonders anerkannt würde.
In der anderen Welt, fährt Tolkien fort, würde einem alles erscheinen, wie es ursprünglich einmal gemeint gewesen wäre: der Bruder, die Schwester, der Drachen, das Gras – alle Begriffe, die wir uns einmal zu eigen gemacht und durch häufigen Gebrauch abgenutzt hätten, würden in frischer Verkörperung wieder wie beim ersten Mal unsere Aufmerksamkeit erregen. Die Fantasy-Welt birgt nach Tolkien keine eigenen Gegenstände, sondern bediene sich im Diesseits, um das, worüber es verfügt, dann in einem fantastischen Zusammenhang wieder frei und dadurch „aufleuchten“ zu lassen.
Tolkien glaubt, dass man sich heute auch unter anderem deswegen gerne in eine Fantasy-Welt begibt, weil die Wirklichkeit oft nichts Schönes mehr aufzuweisen hätte. Ihre Erscheinungen wie z.B. Telefone, Fahrzeuge oder Bürohochhäuser hätten im Vergleich zu den Bergen, Wäldern, Pferden und Schlössern Fantasiens etwas unschön Vorübergehendes. Und er weist darauf hin, dass in der anderen Welt die Menschen z.B. auch ihre Gebrauchsgegenstände selber herstellen und davor, wie er sich ausdrückt, keinen Ekel wie vielleicht unterschwellig vor einem industriellen Fertigprodukt empfinden.
Tolkien glaubt auch, dass nur in der anderen Welt tiefsten Bedürfnissen der Menschen nachgekommen werden kann. Er erwähnt den Wunsch, frei wie ein Fisch die Meerestiefen zu besuchen, oder die Sehnsucht, wie ein Vogel fliegen zu können, um den wir durch die moderne Luftfahrt betrogen würden, ferner den Wunsch, sich mit anderen Lebewesen zu unterhalten (daher die sprechenden Tiere in Fantasy-Werken).
Im Fantasy-Land würde zuletzt auch die schon von der Genesis beklagte Trennung zwischen Mensch und Natur wieder aufgehoben.
Tolkien geht schließlich zu dem Trost über, den Fantasy-Märchen spendeten. Der entscheidende Punkt sei dabei nicht die Befriedigung irgendwelcher Wünsche, sondern der unerwartet glückliche Ausgang: die gute Überraschung oder plötzliche herrliche Wende. Wie das Evangelium verneine das Fantasy-Genre die endgültige Niederlage. Eine „glückliche Katastrophe“ könne eine sonst misslingende Geschichte immer wieder herausreißen. (Und jeder Ritter wachte auf, hob sein Schwert und rief: „Lang lebe Prinz Prigio!“)
Tolkien schließt sein Essay mit der Überlegung, dass die andere Welt der Fantasy nur überzeugen kann, indem sie etwas ausdrückt, an dem auch das Diesseits irgendwie beteiligt ist. Die Echtheit der Freude einer erfolgreichen Fantasie entspränge dann dem jähen Gewahren einer allem zugrundeliegenden Wirklichkeit oder Gewißheit. Damit sei die Frage „Ist das wahr?“ beantwortet, erfüllt, und nicht nur über Kummer hinweggetröstet. Ein echter Höhepunkt sei das Echo des Evangeliums in dieser Welt. Es zurückzuweisen ende in Traurigkeit oder Zorn.
Tolkien sieht in guter Fantasy letztlich eine evangelische Verheißung.
J. R. R. Tolkien Tree and Leaf London 2001, S. 3-80
Die Wunderwelt der Brüder Grimm, Toy Story, In den Fesseln von Shangri-La