Ein Drehbuch schildert den Verlauf einer Film-Handlung auf ca. einer Seite pro Minute; ein 1-1/2-Stunden-Film wird so auf ungefähr 90, ein Zweistundenfilm auf ca. 120 Drehbuchseiten wiedergegeben.

 

Die Schilderung erfolgt in Szenen. Eine neue Szene setzt ein, indem - räumlich oder zeitlich - "gesprungen" wird. Beispielsweise sehen wir, was sich in einem Büro abspielt, danach ein neuer Schauplatz: Bahnhof. In dem "Sprung" - von Büro zu Bahnhof - liegt eine neue Szene. Oder ein Wortgefecht beginnt in dem Büro, geht weiter in der Teeküche oder vor dem Gebäude; in beiden Fällen fängt mit der Veränderung der Umgebung (BüroTeeküche...) eine neue Szene an. Oder der Streit beginnt z.B. vormittags in dem Büro, und wir sollen als nächstes sehen, dass er mittags noch immer andauert, in derselben Umgebung - dieser Zeitsprung käme dann ebenfalls in einer neuen Szene zum Ausdruck. Drehbuch-WOCHENENDE
Grundlagen - Profi-Tricks & Tipps

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Eine Drehbuch-Szene beginnt immer mit ihrer ÜBERSCHRIFT, welche anzeigt, ob folgende Handlung drinnen (INN.) oder draußen (AUSS.) und an welchem Ort sie spielt, inwieweit dort die Sonne scheint.

INN. SUPERMARKT - TAG

AUSS. HINTERHOF - NACHT

Wenn allein in der Zeit gesprungen wird, reicht ein

SPÄTER

oder, sollte sich die Lichtsituation verändert haben (etwa in der SUPERMARKT-Situation weiter oben):

SPÄTER - abends

später - nacht

Ein Drehbuch wird schließlich verwandt, um Dreharbeiten zu organisieren. Die Angabe der Lichtsituation einer Szene ist deswegen wichtig, weil sie anzeigt, inwieweit bei einer eventuellen Realisierung Scheinwerfer, elektrische Anschlüsse usf. nötig sein werden, ein Kostenfaktor. Am günstigsten lässt sich eine Handlung abfilmen, die tagsüber im Freien spielt.

Unter der Überschrift folgt eine Beschreibung der Handlung in der Gegenwartsform (Präsens):

INN. LIMOUSINE - TAG

GEORG und ANNA auf dem Rücksitz. Georg beugt sich vor und öffnet einen Mini-Eisschrank, der voller kleiner Flaschen ist.

Wenn die Figuren etwas sagen, gibt man ihre NAMEN ca. 9 Zentimeter vom linken Seitenrand wieder. Eine Zeile tiefer in einem Raum, der ca. 6 Zentimeter vom linken Seitenrand beginnt und ca. 6 Zentimeter vorm rechten Seitenrand endet, erscheinen ihre Worte.

GEORG

Ich fahr zum ersten Mal in so einem Schlitten. - He, 'ne Minibar!

 

Die angegebenen Entfernungen von den Rändern lassen sich hier - innerhalb des Netzauftritts der DrehbuchWerkstatt München - nicht deckungsgleich nachbilden, da sie sich auf DIN-A-4-Papier-Seiten beziehen. Die "Seite", die Sie gerade lesen, ist dagegen so eingestellt, dass sie sich den Dimensionen des zu ihrem Lesen verwendeten Browsers/Bildschirms anpasst. Halten Sie sich zur richtigen Dimensionierung Ihrer Drehbuchseite/n daher bitte an die Zentimeter-Angaben, bezogen auf DIN-A-4. Die Fach-Fibel SCHULE DES DREHBUCHS liefert einen praktischen Leitfaden zur Herstellung erfolgreicher Filmvorlagen. Sie schöpft aus dem aggregierten Fachwissen der DrehbuchWerkstatt München, Deutschlands erfolgreichster Fortbildung zum Drehbuchautor und Wiege von „Good-bye Lenin!“ sowie „Vincent will Meer!“ ð h i e r

 

So wie ein Film als ganzes hat auch jede Szenen Anfang-Mitte-Ende - welche nicht vollständig wiedergegeben werden müssen. Beispielsweise versucht in dem gleich folgenden Beispiel eine Frau, ihrem Mann beim Abendessen etwas schonend beizubringen. Dafür ist nicht nötig, mit dem Sich-zu-Tisch-setzen oder den Vorspeisen zu beginnen. Man kann später einsteigen:

INN. ESSZIMMER - ABEND

MONIKA und GERD beim Abendessen.

MONIKA

Noch Kartoffeln?

GERD

Nein danke, ich werd' zu fett.

MONIKA

Du übertreibst. - Hab' ich dir erzählt, dass Gaby heute angerufen hat?

GERD

Hm...

MONIKA

Sie will unbedingt, dass wir uns mal wieder treffen. Du weißt schon, Weiberabend. Ich glaub', sie ist deprimiert. Sie tut mir leid.

GERD

Weswegen sollte sie deprimiert sein? Ihr Mann verdient 250.000 im Jahr.

MONIKA

Trotzdem, ich glaub', ich sollte sie mal besuchen. Leider hat sie nur Sonntagabend Zeit.

GERD

Du hast du ihr gesagt, dass wir sonntags zu Mutter gehen.

MONIKA

Mhm.

GERD

Mutter würde glauben, dass du was gegen sie hast, wenn du nicht mitkommst. Das hast du Gaby gesagt, oder?

MONIKA

Mehr oder weniger.

GERD

Gut.

Hier könnte man zu einer anderen Szene wechseln. Weder haben wir Anfang oder Ende des Abendessens noch von Monikas Unterfangen gesehen, ihren Mann dahin zu bringen, dass er ihnen mehr Freiraum gegenüber seiner Mutter einräumt.

Ein Spielfilm schildert in der Regel das Schicksal eines Wunsches: Seine Hauptfigur verfolgt ein Ziel - trifft dabei auf Widerstände. Schließlich erlebt sie einen Moment der Wahrheit und erreicht infolgedessen ihr Ziel oder verfehlt es. Dasselbe gilt im kleinen für eine Szene.

In der Beispielszene leitet Monika ihr Anliegen mit Hab' ich dir erzählt, dass heute Gaby angerufen hat? ein. Sie will der Schwiegermutter am Wochenende fernbleiben - und trifft auf Widerstand, denn Gerd hat gleich einmal kein Mitleid mit ihrer Freundin. Gaby gibt nicht auf. Mehr Widerstand von Gerd. Dann der Moment der Entscheidung: Monika habe Gaby gesagt, dass es nicht gehe: Oder? Es folgt die Auflösung. Monika resigniert mit den Worten: Mehr oder weniger. Gerd: Gut.

Die Szene wird mit etwas Dialog eingeleitet, der noch nicht mit dem Hauptkonflikt zu tun hat (Monika bietet Kartoffeln an - Gerd lehnt ab und sagt, er werde zu fett - was sie abstreitet). Diese Eröffnung gibt es aus zwei Gründen: damit der Zuschauer sich in die vorgestellte Umgebung findet (bevor einem jemand zuhört, muss er sich erst einmal umgesehen und begriffen haben, wo er sich befindet), und um das Gespräch beim Essen wirklichkeitsnäher zu gestalten.

Für die Beschreibung des Tuns in der Beispielszene reichte der Halbsatz Monika und Gerd beim Abendessen. Da die ganze Szene hindurch gegessen wird, hätte man weitere "Taten" schildern können: er salzt seine Erbsen nach, sie streicht Butter aufs Brot, er gießt sich Wein nach. Wenn aber kein erzählerischer Grund besteht, einen Vorgang zu beschreiben, wird dessen Schöpfung dem Schauspieler oder Regisseur überlassen. Wäre es dagegen z.B. darauf angekommen zu zeigen, dass Gerds tyrannische Art seine Frau zum Trinken bewegt, hätte man die Szene mit der Beschreibung beenden können: Monika schüttet sich Wein nach und leert das Glas in zwei Schlucken.

Szenen können sich verschieden ausdehnen, wenige Zeilen oder mehrere Seiten lang sein. Unterschiedlich lange Szenen verleihen einem Drehbuch Rhythmus, während immer gleichlange Szenen Eintönigkeit fördern.

Szenen können wortlos sein. Wenn ein Vater zum Beispiel das Sorgerecht für seine kleine Tochter verloren hat und sie sehr vermisst, mag das vermittels einer Szene ausgedrückt werden, die ausschließlich darin besteht, dass er sie - unbemerkt - dabei beobachtet, wie sie den Pausenhof betritt und dort Seil hüpft.

Öfter als man denkt, ist es möglich, einen langen Wortwechsel durch eine kurze rein visuelle Szene zu ersetzen. Diese Möglichkeit ist fast immer vorzuziehen! Was wirkt stärker: wenn z.B. der Vater einem Kollegen erzählt, wie er seine Tochter vermisst - oder ihn zu sehen, wie er sie in der Ferne beobachtet?

Schon die Umgebung, in der sich eine Handlung abspielt, kann viel von dem aussagen, was andernfalls in der Szene extra angesprochen werden müsste.

Zum Beispiel will ein Vater seinem erwachsenen Sohn, nachdem dieser sich unreif verhalten hat, ins Gewissen reden. Welcher Schauplatz würde dem, worum es in dieser Szene geht, besser dienen: das Wohnzimmer, die U-Bahn, ein Kinderspielplatz?

Es muss nicht jede Szene einen Schauplatz haben, der ihren Inhalt deutet. Aber es ist meist besser so.

Mindestens sollte ein Schauplatz visuell interessant sein. Um diese Wirkung zu erzielen, braucht man im Drehbuch nicht viel Einzelheiten zu beschreiben. Stattdessen beschreibt man vielleicht nur zwei oder drei Besonderheiten und den Gesamteindruck: Straßenbahnschienen im Mondlicht, hinter der menschenleeren Haltestelle geparkte Autos vor einem dunklen Wäldchen - Stadtrand nach Mitternacht...

Je deutlicher der Leser sieht, was dem Drehbuchautoren vorschwebt, desto mehr fesselt ihn die Geschichte.

Was die Beschreibung von abzufilmenden Zuständen oder Vorgängen angeht, gelten die allgemeinen Regeln guten Stils: in der Kürze liegt die Würze. Insbesondere sind im Drehbuch Verfremdungen, Sinnbilder usf. zu vermeiden. Also nicht "Er starrt in die Schächte ihrer Augen" oder "Auf den Billardkugeln liegt der Staub von tausend Jahren", sondern Er schaut in ihre aufgerissenen Augen beziehungsweise Fünf Billardkugeln liegen verstaubt in der Sonne.

Wenn ein Charakter zum ersten Mal auftaucht, gibt man seinen NAMEN in Großbuchstaben wieder, gefolgt von einer kurzen Beschreibung: ein oder zwei Charakteristika - wie im Fall des Schauplatzes - sowie der Gesamteindruck.

ANGELIKA ist eine Hausfrau Mitte Zwanzig. Sie sieht erschöpft aus, da sie sich um drei kleine Kinder kümmern muss, und ist nicht länger attraktiv.

Besser:

ANGELIKA ist erst Mitte zwanzig und war einmal schön, aber der Alltag mit drei schreienden Kleinkindern hat seinen Tribut gefordert.

Drehbücher werden nicht nur von Produzenten oder Regisseuren, sondern oft auch von Schauspielern gelesen; ihnen muss die Rolle interessant erscheinen. Statt SCHUMANN ist ein alternder Polizist mit Bierbauch kurz vorm Ende schreibt man da vielleicht besser ...trägt einen Bierbauch vor sich her und leidet an demselben Problem wie viele alternde Polizisten: nachdem er zwanzig Jahre lang das richtige getan und dafür Prügel bezogen hat, ist ihm alles egal geworden. Die zweite Beschreibung ist für einen Schauspieler interessanter, weil sie einen edlen Grund für Schuhmanns unwürdigen gegenwärtigen Zustand angibt. Auch sonstige Leser des Drehbuchs lernen den Charakter so besser kennen. Wobei es sich von selbst versteht, dass solche Beschreibungen, nur um zu schmeicheln, nicht dem Wesen einer gemeinten Figur widersprechen dürfen.

Eine genauere Beschreibung des Aussehens eines Charakters ist nicht weiter wichtig (oder erwünscht), außer es spielt eine Rolle für die Handlung. Wenn sich etwa anhand eines roten Haares unter den Fingernägeln der Leiche herausstellen soll, dass ein bestimmter Charakter ein Mörder ist, gehört seine Haarfarbe zur Beschreibung. Ansonsten sind die Beschreibungen des Äußeren allgemein zu halten. Wenn es heißt, dass der Held ein großer athletischer Mann in seinen frühen Dreißigern ist, wurde sein Erscheinungsbild damit genug beschrieben. Wir müssen nicht wissen, welche Farbe seine Augen haben, wie groß genau er ist, oder welche Blutgruppe er hat.

Im Drehbuch werden Kamerabewegungen so wenig wie möglich (am besten gar nicht!) erwähnt. Höchstens mag man vielleicht einmal Zuflucht zu einem NAH nehmen (alle Kamerahinweise werden in Großbuchstaben angegeben), normalerweise aber ergibt sich die Weise, in der eine Szene aufgenommen werden soll, aus der Art, in der man den Sätze formuliert, die das beschreiben, was aufgenommen werden soll.

Beispiel: Tom wühlt in seiner Tasche und befördert Kleingeld ans Tageslicht. Ein Fünfer und ein Zehner. Für einen Moment sieht es so aus, als würde er anfangen zu weinen. Dann aber brüllt er auf einmal los vor Lachen. Er wirft die Münzen davon. Sie fliegen im hohen Bogen durch die Luft und landen im Wasser.

Es wurden überhaupt keine Kameraeinstellungen erwähnt. Damit jedoch das Publikum erfährt, dass alles Geld, was Tom besitzt, ein Fünfer und ein Zehner sind, wird der Regisseur eine Nahaufnahme der Hand zeigen müssen. Um die Veränderung in Toms Gesicht wiederzugeben, kann keine Panorama-Ansicht verwendet werden. Um zu sehen, wie die Münzen ins Wasser fallen, muss eine bestimmte Einstellungsgröße aufs Wassers verwendet werden.

Dialoge sollen in erster Linie ausdrücken, was derjenige, der die Worte von sich gibt, für ein Mensch ist. Wenn ein Drehbuchautor seine Charaktere kennt und, nachdem er die Struktur ihrer Geschichte ausgearbeitet hat, weiß, was sie wollen, wird es ihn oft überraschen, wie verhältnismäßig leicht es ist, sie sprechen zu lassen.

Menschen vermitteln sich einem durch das von ihnen Geäußerte in einem Umfang, der über das Unmittelbar Gesagte hinausgeht. Wenn in der Beispielszene Monika meint, dass ihre Freundin deprimiert ist, und Gerd erwidert Weswegen sollte sie deprimiert sein? Ihr Mann verdient 250.000 im Jahr, dann sagen seine Worte etwas über die Freundin seiner Frau und ihren Gatten - aber auch eine Menge über Gerd, der offenbar findet, dass im Geld der Schlüssel zum Glück liegt, und nicht versteht, wie jemand, der Geld hat, niedergeschlagen sein kann. Was ihn unsensibel und widerwärtig macht. Außerdem liegt die Vermutung nahe, dass Gerd selber nicht über so viel Geld verfügt; andernfalls wüsste er, das es kein Glück garantiert.

Es folgen Formatangaben für die Gestaltung eines Drehbuchs. Sie sind relativ zu einer Seitengröße von DIN-A-4 aufzufassen:

Der Kopfzeilen-Bereich eines Drehbuchs misst ungefähr 2 Zentimeter, der Fußzeilen-Bereich 2,5 Zentimeter.

Wenn eine DIN-A-4 Seite ungefähr 21 cm breit ist, soll der beschreibende Text 4 cm vom linken Seitenrand beginnen und 1,5 cm vom rechten Seitenrand enden.

Der Dialog beginnt 6 cm vom linken Seitenrand und endet 6 cm vor dem rechten Seitenrand.

Die Anweisungen in Klammern zum Dialog beginnen 8 cm vom linken Seitenrand und enden 7,5 cm vor dem rechten Seitenrand. Was mit "Anweisungen in Klammern" gemeint ist und wie sie aussehen, geht aus dem längeren Beispiel weiter unten hervor...

Der NAME des Sprechers (über dem Dialog oder - gegebenenfalls - den Anweisungen in Klammern) beginnt 8-10 cm vom linken Seitenrand.

Angaben zum Übergang von einer Szene zur anderen (wie SCHNITT AUF: oder ÜBERBLENDE) beginnen 17 cm vom linken Seitenrand (Beispiel weiter unten).

Die Seitennummer steht in der oberen rechten Ecke und beginnt 18,5 cm vom linken Seitenrand.

Folgende Angaben werden in GROSSBUCHSTABEN wiedergegeben:

INN.(für innen) oderAUSS.(für außen), der Schauplatz (also z.B. WOHNZIMMER oder VOR DEM POSTAMT) und TAGo der NACHT (ggf. DÄMMERUNG oder andere Lichtstimmungen wie MORGEN, später Nachmittag u.ä.)

ein CHARAKTER, wenn er oder sie zum ersten Mal im Beschreibungstext einer Szene auftaucht

der NAME DES CHARAKTERS über dem Dialog

EINSTELLUNGEN, KAMERAANWEISUNGEN und TÖNE (z.B. NAH, KAMERA SCHRECKT ZURÜCK, Fred POLTERT die Treppe hinunter...) - Kamera-Anweisungen sind tunlichst zu vermeiden, sind sie aber unumgänglich, werden auch sie in GROSSBUCHSTABEN wiedergegeben

Zeilenabstand

Einfach in Rahmen von Beschreibungen des Schauplatzes oder von Handlungen der Figuren - einfacher Zeilenabstand auch zwischen dem Namen eines Charakters und seinem Dialog sowie innerhalb des Dialoges selbst

Doppelter Zeilenabstand zwischen INN. oder AUSS. [Schauplatz] - TAG/NACHT und der anschließenden Beschreibung des Geschehens, zwischen der Beschreibung und dem Namen des Charakters über dem Dialog, zwischen den Dialogäußerungen verschiedener Charaktere, zwischen Abschnitten innerhalb längerer Beschreibungen

Dreifacher Zeilenabstand vor dem Beginn einer neuen Szene.

MOMENTE und PAUSEN. Der Dialog im Drehbuch soll so natürlich wie möglich klingen. In manchen Fällen hat das zu bedeuten, dass eine Charakter Sätze nicht vollendet, pausiert, um nachzudenken, oder vielleicht mitten im Reden auf einen anderen Gedanken kommt. Solche Unterbrechungen können in der Rede durch drei Punkte ("...") wiedergegeben werden oder die Angaben (Pause) bzw. (Moment). Alle drei Kennzeichnungen erzielen dieselbe Wirkung - sollten aber nicht übermäßig verwandt werden.

NUMMERIERUNG von Szenen. Hier gibt es keine Vorschriften. Wenn man seine Szenen nummeriert, identifiziert man sie leichter beim Überarbeiten. Wenn man sich entscheidet, seine Szenen zu nummerieren und die Seite endet inmitten einer Szene, kann man (WEITER) oder (Fortsetzung) in Klammern in die untere rechte Ecke der Seite schreiben. In die obere linke Ecke der nächsten Seite kann man dann die Szenennummer und WEITER: ohne Klammern tippen. Nach doppeltem Zeilenabstand fährt man mit dem Text der unterbrochenen Szene fort.

SCHNITT AUF: und ÜBERBLENDEN AUF: Es versteht sich, dass, wenn eine Szene endet und eine neue beginnt, dazwischen ein Schnitt liegen muss. Es ist deswegen vielleicht nicht notwendig, es jedes Mal noch hinzuschreiben. Manchmal kann es dagegen sinnvoll sein, als Übergangshinweis von einer Szene zur anderen ÜBERBLENDEN AUF: anzugeben, um dem Leser zu signalisieren, dass Zeit vergangen ist. Beispiel: Ein Mann wird aus dem Gefängnis entlassen und verspricht dem Wärter: In zwei Jahren werde ich reich sein. Du wirst mich nicht wieder erkennen. In der nächsten Szene verlässt er zwei Jahre später im Designeranzug eine Bank. Nach der ersten Szene könnte man dann ÜBERBLENDE AUF (ca. 17 cm vom linken Seitenrand) tippen und - nach doppeltem Zeilenabstand - bei 4 cm vom linken Seitenrand: AUSS. DEUTSCHE BANK - TAG (ZWEI JAHRE SPÄTER)...

Es folgen Beispiele zu allen Formatangaben:

BIRGIT

Ich weiß, du meinst es nicht so. Wir sind doch Freunde.

Markus wird etwas weicher, aber es soll verdammt noch mal nicht danach aussehen!

MARKUS

Du wirst im Frauenknast landen, bevor du achtzehn bist.

INN. TEURES ASIATISCHES RESTAURANT - NACHT

MARKUS und BETTINA treten ein. Sie ist beeindruckt.

BETTINA

Um Gottes willen, als du gesagt hast Chinese, dachte ich...

MARKUS

Das war Ollies Idee. Ich hatte auch eher...

Ein kostümierter KELLNER naht und geleitet sie zu einem Tisch bei der Küchentür und entfernt sich.

BETTINA

Markus, wenn du willst, werd' ich Evi sagen, dass sie die Abreibung ihres Lebens bekommt, wenn sie irgendjemand von deinen Plänen mit Robert erzählt.

MARKUS

Nein, ich hab's versprochen... im Übrigen, glaubst du, dass eine "Abreibung" sie aufhalten könnte?

BETTINA

(lacht)

Nein.

Anderer KELLNER steuert heran.

KELLNER

Guten Abend. Besuchen Sie Mangostine erste Mal?

MARKUS

Kann man so sagen.

KELLNER

(Akzent)

Mein Name ist Jacky. Ich bin für diesen Tisch zuständig. Ich werde sie bedienen.

MARKUS

Wir heißen Markus und Bettina.

Jacky händigt ihnen in Bambus gefasste Speisekarten aus. 

KELLNER

(zu Markus)

Wenn Sie Hilfe mit Chinesisch brauchen, Sie lassen mich bitte wissen.

MARKUS

Danke für das Angebot.

(Kellner geht - Markus wendet sich Bettina zu)

Was ist damals eigentlich wirklich in Spanien passiert?

(FORTSETZUNG)rechtsbündig im Fußzeilen-Bereich einer Seite und WEITER: linksbündig im Kopfzeilen-Bereich der nächsten Seite kann, muss aber nicht verwendet werden, wenn mit dem Ende einer Seite eine Szene noch nicht zu Ende ist, sondern auf der nächsten weitergeht. (Drehbücher kursieren bei Dreharbeiten oft als Einzelblätter; man stellt so sicher, dass nichts aufzunehmen vergessen wird.)

Als Schrift bitte immer Courier Größe 12 benutzen. Bei dieser Schriftgröße und Einhaltung der vorgeschriebenen Zeilenabstände bekommt eine Seite die Länge, die sie benötigt, um im Schnitt eine Minute auszumachen.

Auch das Titelblatt bitte ohne weitere Verzierungen mit Courier Größe 12 beschriften. Das wirkt am professionellsten. Verzierte oder grafisch aufgemotzte Titelblätter wecken den Verdacht, dass es etwas zu beschönigen gibt. Auf dem Titelblatt etwa in der Mitte den TITEL in Großbuchstaben, darunter

Drehbuch

 

von

 

[Name des Autors]

Die Amerikaner machen hinter jedem Punkt in einem Drehbuch zwei Leerzeichen. In den so entstehenden Raum kann man beim Dreh besser eine Nummer einfügen. Hier der Unterschied:

GEORG und ANNA fahren auf dem Rücksitz. Georg öffnet einen kleinen Eisschrank und sieht, dass er voller kleiner Flaschen ist.

GEORG und ANNA fahren auf dem Rücksitz.  Georg öffnet einen kleinen Eisschrank und sieht, dass er voller kleiner Flaschen ist.

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Das Drehbuch ist der letzte einer Reihe von Texten zur Entwicklung eines Film-Projektes, es hat mehr oder weniger bedeutende Vorläufer. Unverzichtbar und als Anstoß einer Entwicklung beinahe wichtiger als das Drehbuch selbst ist das Exposé - erklärt und dargestellt im DrehbuchWerkstatt München-Text Wie ein Exposé aussieht.
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Kurzfilm zur Drehbuchformatierung!