Ein Drehbuch beschreibt den Verlauf einer Handlung, Szene für Szene, auf ca. einer Seite pro Filmminute. Ein 90-Minuten-Film wird so auf ungefähr 90, ein Zweistundenfilm auf ca. 120 Drehbuchseiten dargestellt.
Ein Drehbuch zerfällt in Szenen. Eine Szene beginnt, sobald der Erzählfluss in Raum oder Zeit springt. Z.B. fängt ein Wortgefecht in einer Küche an, entwickelt sich von dort ins Wohnzimmer oder vor die Haustüre. In beiden Fällen setzt mit der Veränderung des Raums eine neue Szene ein. Ebenso, wenn der Streit z.B. morgens in der Küche begänne, und wir sähen als nächstes, wie er mittags oder abends dort (in derselben Küche) noch immer andauerte - dieser Zeitsprung würde eine neuen Szene bedingen.
Eine Szene beginnt in einem Drehbuch immer ein mit ihrer ÜBERSCHRIFT IN GROSSBUCHSTABEN. Die Überschrift gibt an, ob die Szene drinnen (INN. für innen) oder draußen (AUSS. für außen) spielt, an welchem Spielort sie sich ereignet und was die Lichtstimmung ist.
INN. SUPERMARKT - TAG
AUSS. HINTERHOF - NACHT
Unter der
Überschrift folgt eine Beschreibung der Handlung in der Gegenwartsform
(Präsens):
INN. LIMOUSINE - TAG
GEORG und ANNA auf dem Rücksitz. Georg beugt sich vor und öffnet einen Mini-Eisschrank, der voller kleiner Flaschen ist.
Wenn die Figuren
anfangen zu sprechen, gibt man ihre Namen in GROSSBUCHSTABEN ca. 9 Zentimeter
vom linken Seitenrand wieder, eine Zeile tiefer - in einem Raum, der ca. 6
Zentimeter vom linken Seitenrand beginnt und ca. 6 Zentimeter vorm rechten
Seitenrand endet - erscheint, was sie aussprechen. Zum Beispiel:
GEORG
Ich fahr zum ersten Mal in so einem Schlitten. Schau' mal, sogar 'ne Minibar!
Die angegebenen Entfernungen von den Rändern lassen sich hier - innerhalb des
Netzauftritts der
DrehbuchWerkstatt
München - nicht vollkommen identisch nachbilden, da die Seite, auf die
sie sich beziehen, DIN-A-4 (Papier) ist. Die "Seite", die Sie gerade lesen, ist
dagegen so eingestellt, dass sie sich den Dimensionen des zu ihrem Lesen
verwendeten Browsers/Bildschirms anpasst. Halten Sie sich zur richtigen
Dimensionierung Ihrer Drehbuchseite/n daher bitte an die Zentimeter-Angaben,
bezogen auf DIN-A-4. )
So wie ein ganzes
Drehbuch hat auch eine Szene Anfang, Mitte und Ende. Was aber im Einzelfall
nicht bedeutet, dass sie haargenau mit dem Beginn dessen, was sie wiedergibt,
einsetzen muss. Wenn eine Szene beispielsweise davon handelt, wie eine Frau
ihrem Mann beim Abendessen beizubringen versucht, dass sie am Wochenende nicht
mit zur Schwiegermutter möchte, ist es nicht nötig, mit dem Sich-zu-Tisch-setzen
oder den Vorspeisen zu beginnen. Man kann während des Essens einsteigen:
INN. ESSZIMMER - NACHT
MONIKA und GERD beim Abendessen.
MONIKA
Noch Kartoffeln?
GERD
Nein danke, ich werd' zu fett.
MONIKA
Du übertreibst. Hab' ich dir erzählt, dass Gaby heute angerufen hat?
GERD
Hm. Weswegen?
MONIKA
Sie will unbedingt, dass ich mich mit ihr treffe. Du weißt schon, Weiberabend. Ich glaub', sie ist deprimiert. Sie tut mir leid.
GERD
Weswegen sollte sie deprimiert sein? Ihr Mann verdient 250.000 im Jahr.
MONIKA
Trotzdem, ich glaub', ich sollte sie mal besuchen. Leider hat sie nur Sonntagabend Zeit.
GERD
Hast du ihr nicht gesagt, dass wir sonntags zu Mutter gehen?
MONIKA
Sie meinte, dass man vielleicht mal 'ne Ausnahme machen könnte.
GERD
Da denkt sie wieder nur an sich. Mutter würde glauben, dass du was gegen sie hast, wenn du nicht kommst. Das hast du Gaby auch gesagt, oder?
MONIKA
Mehr oder weniger.
GERD
Gut.
Hier könnte man zu
einer anderen Szene wechseln. Weder haben wir den Anfang, die Mitte und das Ende
des Abendessens noch Anfang, Mitte und Ende von Monikas Versuch gesehen, Gerd zu
vermitteln, dass sie am Sonntag nicht mit zu seiner Mutter kommen möchte.
In einem Film
verfolgt ein Charakter im Großen und Ganzen ein Ziel, begegnet Widerständen,
erlebt einen Moment der Wahrheit, und erreicht darüber sein Ziel oder verfehlt
es. Dasselbe Muster gilt im Kleinen für eine Szene.
In der
Beispielszene leitet Monika ihr Anliegen mit "Hab' ich dir erzählt, dass heute
Gaby angerufen hat?" ein. Das ist ihre Herangehensweise. Sie hofft, dass, wenn
sie Gabys Probleme als Entschuldigung vorschiebt, Gerd nichts gegen ihre
Abwesenheit bei seiner Mutter haben wird. Sofort trifft sie auf Widerstand; Gerd
hat kein Mitleid mit ihrer Freundin. Wiederum Gaby als Vorwand benutzend, bringt
Monika eine weitere Idee vor: wäre es denn so schrecklich, wenn sie bei dem
wöchentlichen Besuch der Schwiegermutter einmal abwesend wäre? Mehr Widerstand
von Gerd. Dann der Moment der Wahrheit, wenn er fragt, ob sie ihr gesagt hat,
dass es nicht geht. Und die Auflösung: Monika gibt nach ("mehr oder weniger"),
und Gerd sagt "Gut"; womit er zu erkennen gibt, dass, was ihn betrifft, die
Sache erledigt ist.
Die Szene wird mit
einigen Sätzen eingeleitet, die sich noch nicht mit dem Hauptkonflikt zu tun
haben (Monika bietet Kartoffeln an, Gerd lehnt ab und sagt, er wird zu fett, was
sie abstreitet). Diese Eröffnungssätze gibt es aus zwei Gründen: damit der
Zuschauer sich in die neue Umgebung findet (bevor einem jemand zuhört, muss er
sich erst einmal umgesehen und begriffen haben, wo er ist), und um das Gespräch
beim Essen wirklichkeitsnäher zu gestalten.
Für die
Handlungsbeschreibung der Beispielszene reichte ein Halbsatz (Monika und Gerd
beim Abendessen). Da die ganze Szene hindurch gegessen wird, hätte man weitere
Handlungen ausmalen können: er salzt seine Erbsen nach, sie streicht Butter aufs
Brot, er gießt sich Wein nach. Wenn aber kein besonderer Grund besteht, eine
spezifische Handlung wiederzugeben, wird deren Erfindung in der Regel dem
Regisseur überlassen. Wäre es dagegen darauf ankommen zu zeigen, dass Gerds
Tyrannisieren Monika zum Trinken bringt, hätte man die Szene mit der
Beschreibung beenden können, dass sie sich ein großes Weinglas einschüttet und
wortlos mit dem Essen fortfährt.
Szenen können
unterschiedlich lang sein, von wenigen Zeilen bis zu mehreren Seiten.
Unterschiedlich lange Szenen verleihen einem Drehbuch Rhythmus, während immer
gleichlange Szenen eine gewisse Eintönigkeit bewirken.
Einige Szenen
können rein visuell sein. Wenn ein Vater zum Beispiel das Sorgerecht für seine
kleine Tochter verloren hat und sie sehr vermisst, mag das vermittels einer
Szene ausgedrückt werden, die ausschließlich darin besteht, dass er sie
unbemerkt dabei beobachtet, wie sie den Pausenhof betritt und dort Seil hüpft.
Oft ist es auch
möglich, einen langen Dialog durch eine kurze visuelle Szene zu ersetzen. Diese
Möglichkeit ist fast immer vorzuziehen. Was wirkt stärker: dass der Vater einem
Kollegen über fünf Seiten erzählt, wie er seine Tochter vermisst - oder in der
oben erwähnten Szene zu sehen, wie ihm Tränen in die Augen steigen, während er
sie in der Ferne Seil springen oder ein Pausenbrot verzehren sieht?
Manche
Drehbuchlehrer sind der Ansicht, dass Anfänger dazu neigen, die Möglichkeiten,
die einem der Schauplatz einer Szene bietet, zu verspielen (und damit die
Chance, ihre Vorstellung reicher zu machen). Dahinter steckt die Ansicht, dass
einem Autor immer daran liegen sollte, die Anschaulichkeit seines Drehbuchs zu
steigern - und dass dies unter anderem dadurch erreicht wird, dass man einen
Schauplatz wählt, der das, worum es in einer Szene geht, herausstellt.
Zum Beispiel will
ein Vater seinem erwachsenen Sohn ins Gewissen reden, nachdem dieser sich sehr
unreif verhalten hat. Welcher Schauplatz würde dem, worum es in dieser Szene
geht, besser dienen: das Wohnzimmer, die U-Bahn oder ein Kinderspielplatz?
Es muss nicht jede
Szene einen Schauplatz haben, der ihren Inhalt deutet; jedoch es ist
vorzuziehen, dass es sich so verhält.
Mindestens sollte ein Schauplatz visuell interessant sein. Um diese Wirkung zu erzielen, braucht man im Drehbuch nicht jede Einzelheit des Schauplatzes zu beschreiben. Stattdessen beschreibt man vielleicht nur zwei oder drei Besonderheiten und den Gesamteindruck: Straßenbahnschienen im Mondlicht, hinter der menschenleeren Haltestelle geparkte Autos vor einem dunklen Wäldchen - Stadtrand nach Mitternacht...
Je genauer der
Leser sieht, was dem Drehbuchautoren vorschwebt, desto mehr fesselt ihn die
Geschichte.
Was die Handlungsbeschreibung angeht, gelten die allgemeinen Regeln guten Stils: in der Kürze liegt die Würze. Insbesondere sind literarische Figuren (Verfremdungen, Metaphern usf.) zu vermeiden. Also nicht "Er starrt in die Schächte ihrer Augen" oder "Auf den Billardkugeln liegt der Staub von tausend Jahren", sondern "Er schaut in ihre aufgerissenen Augen" beziehungsweise "Fünf Billardkugeln liegen verstaubt in der Sonne."
Wenn ein Charakter
zum ersten Mal in einem Drehbuch auftaucht, gibt man seinen Namen in
GROSSBUCHSTABEN wieder und liefert eine kurze Beschreibung, die ähnlich wie die
Darstellung des Schauplatzes vielleicht ein oder zwei Eigentümlichkeiten sowie
einen Gesamteindruck beinhaltet.
ANGELIKA ist eine Hausfrau Mitte Zwanzig. Sie sieht erschöpft aus, da sie sich um drei kleine Kinder kümmern muss, und ist nicht länger attraktiv.
Besser:
ANGELIKA ist erst Mitte zwanzig und war einmal schön, aber der Alltag mit drei schreienden Kleinkindern hat seinen Tribut gefordert.
Drehbücher werden
nicht nur von Produzenten oder Regisseuren, sondern oft auch von Schauspielern
gelesen; ihnen muss die Rolle interessant erscheinen. Statt
SCHUMANN ist
ein alternder Polizist mit Bierbauch kurz vorm Ende
schreibt man da vielleicht besser ...trägt einen Bierbauch vor sich her und
leidet an demselben Problem wie viele alternde Polizisten: nachdem er zwanzig
Jahre lang das richtige getan und dafür Prügel bezogen hat, ist ihm alles egal
geworden.
Die zweite Beschreibung ist für einen Schauspieler interessanter, weil sie einen
edlen Grund für Schuhmanns unwürdigen gegenwärtigen Zustand angibt. Auch andere
Leser des Drehbuchs lernen so den Charakter besser kennen. Wobei es sich von
selbst versteht, dass solche Beschreibung zutrifft, also nicht etwa dem
Charakter in einem Ausmaß schmeichelt, das seinem Wesen widerspricht.
Eine genauere
Beschreibung des Aussehens eines Charakters ist nicht weiter wichtig (oder
erwünscht), außer es spielt eine Rolle für die Handlung. Wenn sich etwa anhand
eines roten Haares unter den Fingernägeln der Leiche herausstellen soll, dass
ein bestimmter Charakter ein Mörder ist, gehört seine Haarfarbe
zur Beschreibung. Ansonsten sind die Beschreibungen des
Äußeren allgemein zu halten. Wenn es heißt, dass der Held ein
großer
athletischer Mann in seinen frühen Dreißigern ist, wurde sein Erscheinungsbild
damit genug beschrieben. Wir müssen nicht wissen, welche Farbe seine Augen
haben, wie groß genau er ist, oder welche Blutgruppe er hat.
Im Drehbuch werden
Kamerabewegungen so wenig wie möglich (am besten gar nicht!) erwähnt. Höchstens
mag man vielleicht einmal Zuflucht zu einem NAH nehmen (alle
Kamerahinweise werden in Großbuchstaben angegeben), normalerweise aber ergibt
sich die Weise, in der eine Szene aufgenommen werden soll, aus der besonderen
Art, in der man den Satz formuliert, der das wiedergibt, was aufgenommen werden
soll.
Beispiel: Tom wühlt in seiner Tasche und befördert Kleingeld ans Tageslicht. Ein Fünfer und ein Zehner. Für einen Moment sieht es so aus, als würde er anfangen zu weinen. Dann aber brüllt er auf einmal los vor Lachen. Er wirft die Münzen davon. Sie fliegen im Bogen durch die Luft und landen im Wasser.
Es werden
überhaupt keine Kameraeinstellungen erwähnt. Damit jedoch das Publikum erfährt,
dass alles Geld, was Tom besitzt, ein Fünfer und ein Zehner sind, wird der
Regisseure eine Nahaufnahme der Hand zeigen müssen. Um die Veränderung in seinem
Gesichtsausdruck wiederzugeben kann keine Totale verwendet werden. Um zu sehen,
wie die Münzen ins Wasser fallen, muss eine bestimmte Einstellung des Wassers gedreht
werden.
Dialoge sollen in
erster Linie ausdrücken, was derjenige, der die Worte von sich gibt, für ein
Mensch ist. Wenn ein Drehbuchautor seine Charaktere kennt und weiß, nachdem er
die Struktur ihrer Geschichte ausgearbeitet hat, was sie wollen, wird es ihn oft
überraschen, wie verhältnismäßig leicht es ist, sie zum Sprechen zu bringen.
Menschen
vermitteln sich einem durch das von ihnen Geäußerte in einem Umfang, der über
das Unmittelbar Gesagte hinausgeht. Wenn in der Beispielszene Monika meint, dass
ihre Freundin deprimiert ist, und Gerd erwidert: "Weswegen sollte sie
deprimiert sein? Ihr Mann verdient 250.000 im Jahr",
dann sagen seine Worte etwas über die Freundin seiner Frau und ihren Gatten -
aber auch eine Menge über Gerd.
Es folgen
Formatangaben für die Gestaltung eines Drehbuchs. Sie sind relativ zu einer
Seitengröße von DIN-A-4 aufzufassen:
Der
Kopfzeilen-Bereich eines Drehbuchs misst ungefähr 2 Zentimeter, der
Fußzeilen-Bereich 2,5 Zentimeter.
Wenn eine DIN-A-4 Seite ungefähr 21
cm breit ist, soll der beschreibende Text 4 cm vom linken Seitenrand beginnen
und 1,5 cm vom rechten Seitenrand enden.
Der Dialog beginnt
6 cm vom linken Seitenrand und endet 6 cm vor dem rechten Seitenrand.
Die Anweisungen in Klammern zum Dialog beginnen 8 cm vom linken Seitenrand und enden 7,5 cm vor dem rechten Seitenrand. Was mit "Anweisungen in Klammern" gemeint ist und wie sie aussehen, geht aus dem längeren Beispiel weiter unten hervor...
Der Name des
Sprechers (über dem Dialog und - gegebenenfalls - den Anweisungen in Klammern)
beginnt 8-10 cm vom linken Seitenrand.
Angaben zum
Übergang von einer Szene zur anderen (wie SCHNITT AUF: oder
ÜBERBLENDE) beginnen 17 cm vom
linken Seitenrand. (Beispiel weiter unten)
Die Seitennummer
steht in der oberen rechten Ecke und beginnt 18,5 cm vom linken Seitenrand.
Folgende Angaben werden in
GROSSBUCHSTABEN wiedergegeben:
INN.
(für innen)
oder
AUSS.
(für
außen), der Schauplatz (also z.B.
WOHNZIMMER
oder
VOR EINEM POSTAMT)
und
TAG
oder NACHT
(ggf. DÄMMERUNG oder andere
Lichtstimmungen wie MORGEN,
später Nachmittag
u.ä.)
ein NEUER CHARAKTER, wenn er oder sie zum ersten Mal im Beschreibungstext einer Szene auftaucht
der NAME DES
CHARAKTERS über dem Dialog
EINSTELLUNGEN, KAMERAANWEISUNGEN und TÖNE (z.B.
NAH, KAMERA SCHRECKT ZURÜCK, Fred
POLTERT die Treppe hinunter...)
-
Kamera-Anweisungen sind tunlichst zu vermeiden, sind sie aber unumgänglich,
werden auch sie in GROSSBUCHSTABEN wiedergegeben
Z
Einfach in Rahmen
von Beschreibungen des Schauplatzes oder von Handlungen der Figuren - einfacher
Zeilenabstand auch zwischen dem Namen eines Charakters und seinem Dialog sowie
innerhalb des Dialoges selbst
Doppelter
Zeilenabstand zwischen
INN./AUSS.
Schauplatz
-
TAG/NACHT und der
anschließenden Beschreibung des Geschehens, zwischen der Beschreibung und dem
Namen des Charakters über dem Dialog, zwischen den Dialogäußerungen
verschiedener Charaktere, zwischen Abschnitten innerhalb längerer Beschreibungen
Dreifacher
Zeilenabstand vor dem Beginn einer neuen Szene.
MOMENTE und
PAUSEN. Der Dialog im Drehbuch soll so natürlich wie möglich klingen. In manchen
Fällen hat das zu bedeuten, dass eine Charakter Sätze nicht vollendet, pausiert,
um nachzudenken, oder vielleicht mitten im Reden auf einen anderen Gedanken
kommt. Solche Unterbrechungen können in der Rede durch drei Punkte
("...") wiedergegeben werden oder die Angaben
(Pause) bzw.
(Moment).
Alle drei Kennzeichnungen erzielen dieselbe Wirkung - sollten aber nicht
übermäßig verwandt werden.
NUMMERIERUNG von
Szenen. Hier gibt es keine Vorschriften. Wenn man seine Szenen nummeriert,
identifiziert man sie leichter beim Überarbeiten. Wenn man sich entscheidet,
seine Szenen zu nummerieren und die Seite endet inmitten einer Szene, kann man
(WEITER) oder
(Fortsetzung)
in Klammern in die untere rechte Ecke der Seite schreiben. In die obere linke
Ecke der nächsten Seite kann man dann die Szenennummer und
WEITER:
ohne Klammern tippen. Nach doppeltem Zeilenabstand fährt man mit dem Text der
unterbrochenen Szene fort.
SCHNITT AUF: und
ÜBERBLENDEN AUF:
Es versteht sich, dass, wenn eine Szene endet und eine neue beginnt, dazwischen
ein Schnitt liegen muss. Es ist deswegen vielleicht nicht notwendig, es jedes
Mal noch hinzuschreiben. Manchmal kann es dagegen sinnvoll sein, als
Übergangshinweis von einer Szene zur anderen
ÜBERBLENDEN AUF:
anzugeben, um dem Leser den Nachvollzug zu erleichtern, dass Zeit vergangen ist.
Ein Mann wird etwa
aus dem Gefängnis entlassen und verspricht dem Wärter:
In zwei Jahren werde ich reich
sein. Du wirst mich nicht wieder erkennen.
In der nächsten Szene verlässt er zwei Jahre später im Designeranzug eine Bank.
Nach der ersten Szene könnte man dann
ÜBERBLENDE AUF
(ca. 17 cm vom linken Seitenrand) tippen und - nach doppeltem Zeilenabstand -
bei 4 cm vom linken Seitenrand:
AUSS. DEUTSCHE BANK - TAG
(ZWEI JAHRE SPÄTER)...
Es folgen
Beispiele zu allen Formatangaben:
BIRGIT
Ich weiß, du meinst es nicht so. Ich meine, wir beide sind Freunde.
Markus wird etwas weicher, aber das soll verdammt noch mal keiner mitkriegen!
MARKUS
Du wirst im Frauenknast landen, noch bevor du achtzehn bist.
INN. VORNEHMES Französisches RESTAURANT - NACHT
MARKUS und BETTINA treten ein. Sie ist beeindruckt.
BETTINA
Um Gottes willen, als du gesagt hast Abendessen, hab' ich mir vorgestellt...
MARKUS
War Ollies Idee. Ich hatte auch eher an 'ne Pizzer...
Der OBERKELLNER naht, schaut sie von oben nach unten an (ihnen fehlt die Garderobe für so eine Lokalität), seufzt, und geleitet sie zu einem Tisch bei der Küchentür.
BETTINA
Markus, wenn du willst, werd' ich Evi sagen, dass sie die Abreibung ihres Lebens bekommt, wenn sie irgendjemand von deinen Vereinbarungen mit Robert erzählt.
MARKUS
Nein, ich hab's versprochen... im Übrigen, glaubst du, dass eine Abreibung sie aufhalten könnte?
BETTINA
(lacht)
Nein.
Ihr aufgeblasener KELLNER kommt heran.
KELLNER
Guten Abend. Besuchen Sie uns zum ersten Mal?
MARKUS
Das kann man wohl sagen.
KELLNER
(herablassend)
Ich dachte es mir. Mein Name ist Jean-Paul. Ich bin für diesen Tisch zuständig. Ich werde sie bedienen.
MARKUS
Wir heißen Markus und Bettina. Wir werden Ihre Kunden sein. Wir werden Ihnen Trinkgeld geben - möglicherweise.
Der Kellner händigt ihnen die Speisekarten aus.
KELLNER
(zu Markus)
Wenn Sie etwas Hilfe mit dem Französisch brauchen, lassen Sie es mich bitte wissen.
MARKUS
Danke für das Angebot. Sie können gehen.
(Kellner geht - Markus wendet sich Bettina zu)
Also, was ist damals wirklich in Spanien passiert?
(FORTSETZUNG)rechtsbündig im Fußzeilen-Bereich einer Seite und WEITER: linksbündig im Kopfzeilen-Bereich der nächsten Seite kann, muss aber nicht verwendet werden, wenn mit dem Ende einer Seite eine Szene nicht zu Ende ist, sondern auf der nächsten weitergeht. (Drehbücher kursieren bei Dreharbeiten oft als Einzelblätter; man stellt so sicher, dass nichts aufzunehmen vergessen wird.)
Als Schrift bitte
immer
Courier Größe 12 (wie Sie's hier gerade lesen...) benutzen. Auf diese Weise bekommt eine Seite die Länge, die sie benötigt, um im Schnitt eine Minute auszumachen.
Auch das
Titelblatt bitte ohne weitere Verzierungen mit Courier Größe 12 beschriften. Das
wirkt am professionellsten. Verzierte oder grafisch aufgemotzte Titelblätter
wecken den Verdacht, dass es etwas zu beschönigen gibt. Auf dem Titelblatt etwa
in der Mitte den TITEL in Großbuchstaben, darunter
Drehbuch
von
[Name des Autors]
Die Amerikaner
machen hinter jedem Punkt in einem Drehbuch zwei Leerzeichen. In den so
entstehenden Raum kann man beim Dreh besser eine Nummer einfügen. Hier der
Unterschied:
GEORG und ANNA fahren auf dem Rücksitz. Georg öffnet einen kleinen Eisschrank und sieht, dass er voller kleiner Flaschen ist.
GEORG und ANNA fahren auf dem Rücksitz. Georg öffnet einen kleinen Eisschrank und sieht, dass er voller kleiner Flaschen ist.
Die Formatierungen, die man für ein Drehbuch braucht, lassen sich mit jedem Textverarbeitungsprogramm herstellen und dort in sog. „Druckformatvorlagen“ speichern. Kostenlose Vorlagen für MS-WORD hier.
Weitere Tipps und Fortbildungshinweise finden sie auf der Hauptseite der DrehbuchWerkstatt München, Deutschlands erster Begabtenförderung für Autoren zum Drehbuchhandwerk an der Hochschule für Fernsehen und Film.