Im besten Fall kann es so laufen wie bei Ariela Bogenberger. Der
ehemaligen Altenpflegerin, Journalistin und dreifachen Mutter ging vor
einigen Jahren eine eigenwillige Geschichte durch den Kopf: Eine alte,
schwer krebskranke Bäuerin verlässt das Krankenhaus, um zu Hause zu
sterben. In der Münchner Drehbuchwerkstatt hatte die 47-jährige
Bogenberger kurz zuvor ein Jahr lang geübt, wie man mit Fachleuten und
Kommilitonen an einem schwierigen Stoff feilen, Szenen filmgerecht
arrangieren und Dialoge formulieren kann. So gelang ihr, quasi als
Erstling, das mehrfach ausgezeichnete Drehbuch zu Rainer Kaufmanns
Fernsehfilm "Marias letzte Reise". Sogar einen Grimmepreis in Gold hat es
erhalten.
Die bayerische Tragikomödie wäre ohne Bogenbergers gefühlvolle,
bodenständige Vorlage kaum denkbar gewesen. "Ohne Buch kein Film": aus
diesem Bewusstsein heraus haben der Freistaat Bayern, der Bayerische
Rundfunk und die Hochschule für Fernsehen und Film schon 1989 ein
Fortbildungsprogramm für Drehbuchautoren ins Leben gerufen - für den
"unspektakulärsten, wichtigsten Job der Filmbranche". Zwölf Monate dauert
der Lehrgang, von Anfang Juli bis zum Münchner Filmfest im Juni des
folgenden Jahres, wo die Arbeitsergebnisse dann Produzenten und
Fernsehredakteuren vorgestellt werden. Zehn Auserwählte, die mit einem gut
erzählten Lebenslauf und drei interessanten Stoffvorschlägen punkten
konnten, werden während dieser Zeit von einem filmpraktisch erfahrenen
Betreuer intensiv gecoacht, lernen viel über Dramaturgie, Filmsprache,
Produktion, entwickeln ein eigenes Drehbuch und bekommen jeweils rund
fünftausend Euro als Stipendium.
Nach den ersten zwanzig Jahrgängen, die das Schulungsprogramm durchlaufen
haben, gibt es beim diesjährigen Filmfest an der Isar etwas zu feiern.
Hans-Christian Schmid ("Nach fünf im Urwald", "Requiem") gehört zu den
Absolventen der Münchner Drehbuchwerkstatt, der Krimiautor Friedrich Ani
("Kommissar Süden"), die Historiendichterin Tanja Kinkel und auch Bernd
Lichtenberg, der Drehbuchautor von "Good bye, Lenin". Auch wenn nicht alle
Teilnehmer gleich so berühmt werden - die meisten von ihnen, bestätigt
Katharina Uppenbrink, die Geschäftsführerin des Verbandes deutscher
Drehbuchautoren in Berlin, kommen in der harten Film- und Fernsehbranche
ganz gut unter.
Mehr als 130 Bewerbungen gehen jährlich für die begehrten Lehrgänge ein.
Was müssen die Aspiranten mitbringen? "Man muss schreiben können, Lust am
Film und am Geschichtenerfinden haben, ein Studium oder eine Ausbildung
abgeschlossen haben und über eine gewisse Lebenserfahrung verfügen", sagt
Hubert von Spreti, der neben dem Filmprofessor Andreas Gruber die Münchner
Drehbuchwerkstatt leitet. Der Abteilungsleiter Film und Teleclub beim
Bayerischen Rundfunk weiß, wie das Erzählen auf Bildschirm und Leinwand
funktioniert. Entsprechend kritisch fällt die Dokumentation "Ohne Film
kein Buch" über die Dialoge einer jungen Autorin aus. Julia Ortmann, die
an ihrem achten Geburtstag für eine Woche ihr Sehvermögen verloren hatte,
versucht in ihrem Treatment mit dem Arbeitstitel "Blind" zu erzählen, was
solch eine Erfahrung für ein Kind und seine Eltern bedeuten kann.
Es ist ein steiniger Weg, den die Journalistin da zu gehen hat, das
verschweigt der Autor der Dokumentation Matthias Leybrand, der sie ein
Jahr mit der Kamera begleitet hat, nicht. Er zeigt sie bei der Recherche
und spart nicht aus, wie ihre Sätze von Schauspielern in großer Runde
vorgetragen und auseinandergenommen werden.
Drei von zehn Büchern eines Jahrgangs der Münchner Filmwerkstatt würden
durchschnittlich realisiert, allerdings seien die Bedingungen in der
Branche deutlich schlechter geworden, sagt von Spreti. "Wenn man sieht,
dass RTL praktisch seine ganze Fiction-Abteilung entlassen hat - da
konzentriert sich im Moment vieles wieder auf die öffentlich-rechtlichen
Sender. "