Franz Geiger

 
    Sein stark nach Frankreich und England hin orientiertes Elternhaus vermittelte Franz Geiger eine fundamentale Gegnerschaft zum Nationalsozialismus. Sein Vater, ein Kunstmaler, hatte ihn zur Respektlosigkeit gegenüber jeder Art von äußerer Autorität erzogen. Ein enger Freund seiner Familie war der Bildhauer Manfred Eickemeyer, in dessen Atelier die "Weiße Rose" ihre Flugblätter produzierte.
Den Dienst in der Hitlerjugend wußte Franz Geiger geschickt zu umgehen. Zusammen mit seinen jugendlichen Freunden suchte er bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Provokation: So stolzierte er, als der Krieg gegen England ausbrach, als englischer Lord verkleidet durch Schwabing. Als die VI. Armee in Stalingrad unterging, feierte er rauschende Faschingsfeste. Mehrmals wurde er von der Gestapo Verhören unterzogen, unter anderem im Zusammenhang mit der Verhaftung der "Weißen Rose". Als Angehöriger der Dolmetscherkompanie geriet Geiger 1943 in den Widerstand: In den Kriegsgefangenenlagern, in denen er dolmetschte, fungierte er als Mittelsmann zwischen der französischen Widerstandsorganisation Résistance und einem Militärarzt, der die von der Résistance angeforderten Franzosen krank schreiben und entlassen sollte. Er wurde verhaftet, als er einen Code zur Nachrichtenübermittlung ins Ausland entwickelte. Bis zum Kriegsende war er in der Festung Torgau inhaftiert. Nach dem Krieg arbeitete Franz Geiger als Autor und Theaterregisseur.