{"id":836,"date":"2020-11-10T12:55:44","date_gmt":"2020-11-10T11:55:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.drehbuchwerkstatt.de\/relaunch\/?p=836"},"modified":"2020-11-11T16:57:56","modified_gmt":"2020-11-11T15:57:56","slug":"tankred-dorst-preis-preistraeger-ab-1998-1999","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drehbuchwerkstatt.de\/relaunch\/2020\/11\/tankred-dorst-preis-preistraeger-ab-1998-1999\/","title":{"rendered":"Tankred Dorst Preis: Preistr\u00e4ger (1998\/1999 bis 2008\/2009)"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_single_image media=&#8220;966&#8243; media_width_percent=&#8220;100&#8243; alignment=&#8220;center&#8220;][vc_column_text][vc_custom_heading heading_semantic=&#8220;h5&#8243; text_size=&#8220;h5&#8243; text_font=&#8220;font-672269&#8243; text_weight=&#8220;300&#8243; text_transform=&#8220;uppercase&#8220; text_color=&#8220;color-dfgh&#8220;]PREISE[\/vc_custom_heading][vc_custom_heading heading_semantic=&#8220;h1&#8243; text_size=&#8220;h1&#8243; text_font=&#8220;font-672269&#8243; text_weight=&#8220;300&#8243; text_color=&#8220;accent&#8220; separator=&#8220;yes&#8220; separator_color=&#8220;yes&#8220; separator_double=&#8220;yes&#8220;]Tankred Dorst Preis (1998\/1999 &#8211; 2008\/2009)[\/vc_custom_heading]<\/p>\n<p><strong>Die Gesellschaft der Freunde und F\u00f6rderer der Hochschule f\u00fcr Fernsehen und Film richtete anl\u00e4sslich des 10j\u00e4hrigen Bestehens der DrehbuchWerkstatt M\u00fcnchen einen Preis f\u00fcr Absolventinnen und Absolventen ein. Der Preis wird j\u00e4hrlich verliehen.\u00a0Er tr\u00e4gt den Titel\u00a0Tankred-Dorst-Drehbuchpreis der DrehbuchWerkstatt M\u00fcnchen.<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p>[vc_icon display=&#8220;inline&#8220; icon=&#8220;fa fa-chain&#8220; heading_semantic=&#8220;div&#8220; text_size=&#8220;&#8220;][\/vc_icon]<a href=\"https:\/\/www.drehbuchwerkstatt.de\/relaunch\/2020\/11\/tankred-dorst-preis-preistraeger-und-bedeutung\/\">Preistr\u00e4ger 2009\/2010 &#8211; heute<\/a>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column width=&#8220;1\/2&#8243;][vc_column_text]<\/p>\n<h3>2008\/2009: Stanislav G\u00fcntner f\u00fcr &#8222;Nemec&#8220;<\/h3>\n<p>Die Jury zeichnet mit Nemez\u00a0\u00a0den Erstling eines vielversprechenden Autors aus. Gekonnt greift Stanislav G\u00fcntner zu einem Plot des klassischen Gangsterfilms, um das Milieu eines Russlanddeutschen, der zwischen alter und neuer Heimat hin und her gerissen ist, zu beschreiben. So schafft er einen fulminanten Einstieg, der die Hoffnungen auf eine interessante Entwicklung seines\u00a0 Drehbuchs rechtfertigt. Tempo und Farbigkeit der Geschichte haben die Jury \u00fcberzeugt.<\/p>\n<h3>2007\/2008: S\u00f6nke Andresen f\u00fcr\u00a0&#8222;Dustbuster&#8220;<\/h3>\n<p>Die Jury verleiht den Preis mit der Begr\u00fcndung:\u00a0Und jetzt zu etwas ganz Anderem. Nachdem der Wellensittich Herr Neumann von einem Staubsauger eingesogen wurde, beginnt f\u00fcr dessen Besitzer, den Endsechziger Hubert Lotzmann, mitten im Advent ein Kreuzzug. Auf Befehl seiner Frau Annemarie mu\u00df Hubert den zwanzig Jahre alten, aus Familienbesitz stammenden und aufgrund der ungew\u00f6hnlichen Vogelf\u00fcllung durch einen Kurzschlu\u00df au\u00dfer Betrieb gesetzten Staubsauger der Marke Dustbuster 500 reparieren lassen, komme, was da wolle. Und was da alles kommt, ist so unfa\u00dfbar und gleichzeitig so anr\u00fchrend und irgendwie \u00fcberhaupt nicht absurd, weil in diesen Irrsinnszeiten durchaus denkbar, dass man am Ende der Drehbuchlekt\u00fcre nur noch begl\u00fcckt ist von diesem Feuerwerk an Ideen. Globalisierungsgegner, durchdrehende Polizisten, selbstgef\u00e4llige Moderatoren, ein betrunkener arabischer Bademeister &#8211; umschw\u00e4rmt von zwei durchaus \u00e4lteren Zwillingsschwestern -, eine junge, zu allem entschlossene Aktivistin und mittendrin \u2013 ja mittendrin ein Liebespaar, das in dieser Geschichte nicht nur die Wiedergeburt des Herrn Neumann feiert, sondern vor allem ihren 33. Hochzeitstag und ihre, allem Wahnsinn trotzende Liebe mit einem Hubert Lotzmann als Don Juan de Dustbuster.\u00a0Es freut die Jury, dass sie sich ohne gegenseitige Androhung von meinungseinsaugenden Gegenst\u00e4nden auf das skurrilste, ungew\u00f6hnlichste und vielleicht komischste Drehbuch einigen konnten, das diese Drehbuchwerkstatt bisher hervorgebracht hat. M\u00f6glicherweise wird der produktionstechnische Aufwand etwas h\u00f6her ausfallen als bei anderen Verfilmungen von Drehb\u00fcchern und der Autor, das steht fest, wird eine Menge zu tun haben, um seine Ideen vor den \u00fcblichen Notbremseziehern zu verteidigen. Aber: Wer so schreiben kann, der kann auch k\u00e4mpfen.<\/p>\n<h3>2006\/2007: Marianne Wendt f\u00fcr\u00a0&#8222;H\u00e4lfte des Lebens&#8220;<\/h3>\n<p>Ost-Berlin 1986. Die allein erziehende\u00a0Maike (30)\u00a0hat sich gut eingerichtet in der DDR: Gemeinsam mit ihrem Sohn\u00a0Paul (9),\u00a0und Plattenwand an Plattenwand mit ihrer besten\u00a0Freundin Ute (34)\u00a0genie\u00dft sie ihre kleinen Freiheiten. Als Maike denWestberliner Peter (34)\u00a0kennen lernt und sich verliebt, bleibt sie Realistin: Ihre Liebe hat keine Chance.<\/p>\n<p>Was Maike nicht ahnt: Da Peter in Westberlin f\u00fcr die Alternative Liste arbeitet und Kontakte zu ostdeutschen Umweltgruppen hat, versucht die Staatssicherheit ihn abzusch\u00f6pfen. Da Maike sich weigert, zu \u201ekooperieren\u201c, ger\u00e4t sie in einen Alptraum.<\/p>\n<p>Im Betrieb wird sie kompromittiert, ihr wird ein Diebstahl untergeschoben, ihr Sohn muss die Schule wechseln. Schlie\u00dflich begreift Maike, dass ihr\u00a0Vertrauter Kleinert (36), der Bruder ihrer besten Freundin, f\u00fcr die Stasi arbeitet. Maike gelingt die \u00fcberst\u00fcrzte Flucht in den Westen, dabei ist sie gezwungen, ihren Sohn zur\u00fccklassen. Maike hofft auf eine schnelle Familienzusammenf\u00fchrung.<\/p>\n<p>Euphorisch begr\u00fc\u00dft Peter Maike in Westberlin. Doch die neue Liebe wird auf eine harte Probe gestellt: Die Westberliner Beh\u00f6rden helfen Maike nicht bei der Suche nach Paul. Endlich erh\u00e4lt sie ein erstes Lebenszeichen \u2013 ausgerechnet aus der Hand von Offizier Kleinert. Dieser beginnt, Maike zu erpressen. Nur, wenn sie endlich Berichte \u00fcber Peter liefert, wird sie ihren Sohn wieder sehen. Verzweifelt l\u00e4sst sich Maike auf das \u201eGesch\u00e4ft\u201c ein. Paul wird ohne ihr Wissen in der DDR zwangsadoptiert. Maike erf\u00e4hrt davon erst, als sie den Kontakt zu Kleinert abbrechen will. Ihr Verrat war umsonst. Maike versinkt in eine tiefe Lethargie, und so vergehen die Wochen bis zum 9. November 1989.<\/p>\n<p>Noch in der Nacht des Mauerfalls beginnt sie, nach ihrem Sohn zu suchen. Was Maike herausfindet, trifft sie tief: Keiner ihrer Briefe ist je bei Paul angekommen \u2013 und die Briefe, die sie erhielt, waren alle von Kleinert geschrieben. Als Maike endlich vor ihrem Sohn steht, weigert sich dieser, mit ihr zu reden: Sie hat ihn schlie\u00dflich verraten. Maike offenbart Peter, dass sie ihn bespitzelt hat. Ihre Beziehung scheint am Ende. Sie steht vor einem Scherbenhaufen. Doch Maike will noch eine Chance vom Leben.<\/p>\n<h3>2005\/2006: Nue Amman f\u00fcr &#8222;Alzbeta&#8220;<\/h3>\n<p>Drama. Alzbeta glaubt an das Gl\u00fcck als Topmodel. Sie verl\u00e4sst ihre vertraute Welt, erk\u00e4mpft sich ihre Karriere und muss schmerzvoll erfahren, dass ihr Lebenstraum zum realen Albtraum wird.<\/p>\n<p>Alzbetas Traum ist es Topmodel zu werden und dadurch die Enge ihrer Herkunft hinter sich zu lassen. Sie nimmt sie an einem Modelwettbewerb teil und reist ohne Wissen ihres alleinerziehenden Vaters, zur Endausscheidung. Mit dem Gewinn des Contests erlangt sie die M\u00f6glichkeit, bei der gr\u00f6\u00dften Agentur in Paris unterzukommen und als Model zu arbeiten. Als sie ihrem Vater den Erfolg strahlend pr\u00e4sentiert, reagiert er ablehnend, dennoch ergibt er sich schlie\u00dflich mit gemischten Gef\u00fchlen ihrem Wunsch. Alzbeta reist ab, nimmt aber ein anhaltendes Schuldgef\u00fchl, ihren Vater verlassen zu haben, mit.<\/p>\n<p>In Paris angekommen st\u00fcrzt sich Alzbeta voller Herzblut ins Modelleben. Trotz der anf\u00e4nglich m\u00fchsamen Schritte, l\u00e4sst sie sich nicht entmutigen, sondern verfolgt mit gro\u00dfem Ehrgeiz ihr Ziel. Bei einem Gosee lernt sie den Fotoassistenten Hiskija kennen. Die beiden vereinbaren ein Testshooting und die daraus entstandenen Bilder verhelfen Alzbeta die Aufmerksamkeit der Agenturchefin, Claire, zu gewinnen. Alzbeta zieht bei Hiskija ein und sie werden ein Paar.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit dem Starvisagisten Esau beginnt Claire, Alzbetas Modelkarriere aufzubauen und ihren Charakter zu formen. Professionalit\u00e4t wird Alzbetas Credo. Emotionale und k\u00f6rperliche Schmerzen bet\u00e4ubt sie mit Drogen, an die sie durch Esau gelangt. So verwandelt sie sich in rasantem Tempo vom lauteren Landkind in ein erfolgreiches Topmodel mit allem was dazugeh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Als Hiskija entdeckt, auf welche Weise sich Alzbeta ihre Karriere abtrotzt, bittet er sie dem Ganzen abzusagen. Doch die antrainierte Professionalit\u00e4t, sowie der Druck von Claire, lassen ihr keinen Raum zu sich zu finden. Hiskija verl\u00e4sst sie. Dieser Bruch st\u00fcrzt sie noch tiefer. Eine wichtige Show steht an, die sie nur durchh\u00e4lt, da Esau sie abermals versorgt. Alzbeta bricht nach der Show zusammen. Die Medien dokumentieren live ihren Kollaps. Sie ist am Ende ihrer Kr\u00e4fte. Hiskija hilft ihr ein letztes Mal, bringt sie nach Hause, versorgt sie, dann geht er selbst.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag steht ihr Vater \u00fcberraschenderweise vor ihrer T\u00fcr. Mit diesem Besuch ist Alzbetas vertrautes Leben, ihre Herkunft und Kindheit nach Paris gekommen. Alzbeta findet zu sich selbst zur\u00fcck und kann einen neuen Weg w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Imponierend genau in Personen und Vorg\u00e4ngen, verflogt\u00a0Alsbeta\u00a0die Model-Tr\u00e4ume einer jungen Frau zum bitteren Ende. Das Drehbuch \u00fcberzeugt in der Schilderung eines schillernden Umfelds, das zugleich einsteht f\u00fcr allgemeine gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse. Obwohl ihre Geschichte in einem sehr vordergr\u00fcndigen Milieu spielt, gelingt es der Autorin, dass der Zuschauer der Hauptfigur mit Sympathie folgen wird. Eine teilweise \u00fcberbordende Entwicklungsgeschichte, die einer m\u00f6glichen Realisierung sehr nahe steht.[\/vc_column_text][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/2&#8243;][vc_message message_color=&#8220;accent&#8220;]Tankred Dorst, einer der herausragenden Gegenwartsdramatiker und Autoren, verschiedentlich als Drehbuchautor herausragender Filme t\u00e4tig und langj\u00e4hriger Dozent der Hochschule f\u00fcr Fernsehen und Film, hat seine Zustimmung erteilt.\u00a0Ausgezeichnet wird ein herausragendes Buch des jeweiligen Jahrganges der DrehbuchWerkstatt M\u00fcnchen mit einem Preis-Geld von \u20ac 3.000. Das Kollegium von Leitung und Buchbetreuern der DrehbuchWerkstatt M\u00fcnchen nominiert drei B\u00fccher. Eine unabh\u00e4ngige Jury, in der ein Vertreter des Vorstandes der DrehbuchWerkstatt vertreten ist, w\u00e4hlt daraus den Preis. Der Preis wurde erstmalig f\u00fcr den 10. Jahrgang (1998\/99) verliehen.[\/vc_message][vc_single_image media=&#8220;855&#8243; media_lightbox=&#8220;yes&#8220; media_width_percent=&#8220;100&#8243;][vc_single_image media=&#8220;856&#8243; media_lightbox=&#8220;yes&#8220; media_width_percent=&#8220;100&#8243;][vc_single_image media=&#8220;854&#8243; media_lightbox=&#8220;yes&#8220; media_width_percent=&#8220;100&#8243;][vc_single_image media=&#8220;852&#8243; media_lightbox=&#8220;yes&#8220; media_width_percent=&#8220;100&#8243;][vc_single_image media=&#8220;853&#8243; media_lightbox=&#8220;yes&#8220; media_width_percent=&#8220;100&#8243;][vc_single_image media=&#8220;387&#8243; media_lightbox=&#8220;yes&#8220; media_width_percent=&#8220;100&#8243;][vc_single_image media=&#8220;762&#8243; media_lightbox=&#8220;yes&#8220; media_width_percent=&#8220;100&#8243;][vc_single_image media=&#8220;845&#8243; media_lightbox=&#8220;yes&#8220; media_width_percent=&#8220;100&#8243;][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text]<\/p>\n<h3>2004\/2005: Matthias Kiefersauer f\u00fcr &#8222;Baching&#8220;<\/h3>\n<p>Ein Autounfall mit t\u00f6dlichem Ausgang betrifft sechs Menschen. Drei Jahre danach ringt jeder von ihnen um W\u00fcrde \u2013 und ein bisschen Normalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Drei Jahre ist die kleine Lena Stocker aus Baching schon tot. Ihre Eltern Gabi und Bernhard, beides Lehrer, haben sich in der Zwischenzeit getrennt. Die Mutter hat einen neuen Freund, was der Vater \u00e4u\u00dferst eifers\u00fcchtig verfolgt. Dann taucht Benedikt Kirchner wieder im Dorf auf. Er hat damals Lena \u00fcberfahren, betrunken. Benedikt will einen Neuanfang in Baching wagen \u2013 in der Gro\u00dfstadt ist er gescheitert.<\/p>\n<p>Benedikts Erscheinen rei\u00dft alte Wunden auf: Bernhard Stocker sucht seine N\u00e4he und \u00fcberfordert ihn damit. Au\u00dferdem entdeckt Benedikts Ex-Freundin Annette, dass sie sich immer noch zu ihm hingezogen f\u00fchlt. Jedoch ist Annette mittlerweile mit Benedikts Bruder Robert liiert, hat sogar ein Kind mit ihm. Dennoch kommen sich die beiden immer n\u00e4her. Robert ahnt davon wenig. Er freut sich einerseits, den lange vermissten Bruder wieder bei sich zu haben, hat aber andererseits Angst, dass er bald \u2013 zumindest in beruflicher Hinsicht \u2013 wieder in Benedikts Schatten stehen wird, aus dem er sich in den vergangenen Jahren m\u00fchsam herausgek\u00e4mpft hat. Er hat n\u00e4mlich die elterliche Wirtschaft \u00fcbernommen, als Benedikt nach Berlin verschwand. Nach einem krankheitsbedingten Ausfall bietet sich ihm Benedikt immer offensiver als Aushilfskoch an. Aber Robert wehrt sich, obwohl seine Not angesichts des bevorstehenden Dorffests immer gr\u00f6\u00dfer wird. Laura schlie\u00dflich, eine alte Jugendfreundin von Benedikt, entdeckt in Benedikt die M\u00f6glichkeit, versuchsweise das sexuelle Doppelleben zu beenden, das sie f\u00fchrt.<\/p>\n<p>In der Ann\u00e4herung zu Benedikt zieht Annette im letzten Moment die Notbremse und entscheidet sich f\u00fcr Robert. Stocker muss einsehen, dass er seine Frau endg\u00fcltig verloren hat. Benedikt will den Ort wieder verlassen, aber Vorw\u00fcrfe von Laura, die beim Unfall im Auto sa\u00df, halten ihn zur\u00fcck und treiben ihn in das Zelt des Dorffests. Robert br\u00e4uchte ihn dort mehr denn je, wehrt sich aber diesmal sogar k\u00f6rperlich gegen Benedikts Hilfe. Er wirft ihm vor, Robert nach dem Unfall in Stich gelassen zu haben \u2013 als Beifahrer bei dem t\u00f6dlichen Unfall empfindet Robert eine Teilschuld.\u00a0 Die Vers\u00f6hnung der Br\u00fcder wird verhindert, weil sie ein Schuss ins Zelt ruft: Stocker will vor den Augen seiner Ex-Frau Selbstmord begehen. Benedikt und der Zufall halten ihn davon ab.<\/p>\n<p>Monate sp\u00e4ter scheint sich der Alltag zu normalisieren. Die sechs Menschen aus Baching versuchen, anders mit der gemeinsamen Wunde umzugehen.<\/p>\n<p>Lobende Erw\u00e4hnung der Jury auch f\u00fcr Karin Michalkes\u00a0&#8222;Beste Gegend&#8220;.<\/p>\n<h3>2003\/2004: Robert Seethaler f\u00fcr\u00a0&#8222;Heartbreakin'&#8220;<\/h3>\n<p>Die 16j\u00e4hrige Biene trifft auf ihrer abenteuerlichen Flucht aus einem Heim auf den abgehalfterten Rock\u2019n Roller Kurt \u201eHeartbreakin\u201c Dvorcak und begleitet ihn auf seiner letzten Tournee durch die Provinz. &#8211; Eine Geschichte \u00fcber die Freiheit und \u00fcber die Liebe.<\/p>\n<p>Die 16-j\u00e4hrige Biene Kravcek lebt im M\u00e4dchenheim. Als sie sich in einen Baum setzt und der Welt ihren nackten Hintern zeigt, wird sie in die Psychiatrie eingewiesen.\u00a0Biene aber fl\u00fcchtet, und eine schwarze Putzfrau weissagt ihr in der Kinderecke eines n\u00e4chtlichen Kaufhauses den Weg zum Gl\u00fcck.<\/p>\n<p>Biene entkommt ihren Verfolgern, f\u00e4hrt in die Freiheit. An einem gottverlassenen Bahnhof steigt sie aus, rennt durchs weite Feld &#8211; und trifft auf den abgehalfterten, dicklichen, kettenrauchenden und ewig alkoholisierten Rock\u2019 n Roller Kurt \u201eHeartbreakin\u201c Dvorcak.<\/p>\n<p>Biene schlie\u00dft sich Kurt an. Gemeinsam touren die beiden nun in Kurts schepperndem aber glitzernden \u201eHeartbreakin\u2019-Mobil\u201c durch die Provinz, spielen in Wirtsh\u00e4usern, Altenheimen und Zuchttierhallen, treffen auf pralle Frauen, gewaltige Bauern, Wirtinnen in roten Overalls, auf tausend Truthahnk\u00fcken und erleben auch sonst einige bemerkenswerte Abenteuer.<\/p>\n<p>Zwischen Biene und Kurt entwickelt sich nach vielen \u00fcberwundenen Widerst\u00e4nden eine \u00fcberaus zarte, seltsame Liebe.\u00a0Als sie schlie\u00dflich ihre Chance vor gro\u00dfem Publikum bekommen, wird Kurt von dem Schlagerstar Teddy Taylor \u00f6ffentlich gedem\u00fctigt.\u00a0Am Ufer eines schwarzen Teichs und in Bienes Armen bricht Kurt zusammen. Biene und er aber finden sich dabei endg\u00fcltig.\u00a0Noch einmal treffen sie auf Teddy Taylor und seinen blauen Cadillac. Kurt und Biene n\u00fctzen die Gelegenheit und r\u00e4chen sich f\u00fcrchterlich!\u00a0Auf der Flucht nach Tennessee zielt ein alarmierter Dorfpolizist auf die lachende Biene im Heartbreakin\u2019-Mobil &#8211; und trifft Kurt. Die beiden entkommen. Kurt stirbt.\u00a0Biene aber lebt den Traum: Hinterm Steuer des glitzernden Heartbreakin\u2019-Mobil, begleitet vom Rock\u2019 n Roll, f\u00e4hrt sie durch die weiten Felder Tennessees der Sonne entgegen.<\/p>\n<p>Lobende Erw\u00e4hnung der Jury f\u00fcr German Kral\u00a0Tango Bar.<\/p>\n<h3>2002\/2003: Florian Hanig f\u00fcr\u00a0&#8222;Folgesch\u00e4den&#8220;<\/h3>\n<p>Wie gut kennt man die Menschen, denen man am n\u00e4chsten steht? Eine Familiengeschichte in den Zeiten der Terrorangst.<\/p>\n<p>Es ist eine Multikulti-Modellfamilie: der pakistanische Doktorand Tariq Azmi, seine deutsche Frau Maya, Art Directorin bei einem Magazin, ihr aufgeweckter kleiner Sohn Sharukh. Religi\u00f6se und kulturelle Differenzen (er ist moderater Muslim, sie hat lange keine Kirche mehr von innen gesehen) meistern sie mit Humor und gutem Willen. Als Wissenschaftler an einem Tropeninstitut steht Tariq kurz vor dem gro\u00dfen Erfolg. Er hat einen Impfstoff f\u00fcr Ebola entwickelt.<\/p>\n<p>Die heile Welt bekommt Risse, als eines Tages zwei Polizisten in Mayas B\u00fcro auftauchen und sie \u00fcber ihren Mann ausfragen. Da er auf der Hochzeit eines der 9\/11-Piloten gefilmt wurde, k\u00f6nnte er ein \u201eSchl\u00e4fer\u201c sein, ein Terrorist auf Abruf.<\/p>\n<p>Maya weist diesen Verdacht weit von sich, doch als kurz darauf Tariqs Bruder aus Pakistan auftaucht, wird sie unsicher, besonders weil ihr Tariq Sachen vorenth\u00e4lt, mit denen er sie nicht belasten m\u00f6chte, zum Beispiel, dass ihm die Amerikaner das Visum f\u00fcr eine wichtige Konferenz verweigert haben.<\/p>\n<p>Als nach einer Inventur im Tropeninstitut Ebola-Viren fehlen, erh\u00e4lt Tariq sogar Laborverbot. Der junge Pakistani sp\u00fcrt, wie ihm erst Nachbarn, dann sein Doktorvater und zum Schluss sogar seine Frau das Vertrauen entziehen.<\/p>\n<p>Nur sein Bruder gibt Tariq Halt und weist ihm einen Weg. Doch der f\u00fchrt immer weiter weg von Maya. Werden die beiden es schaffen?<\/p>\n<p>In seinem Drehbuch\u00a0Folgesch\u00e4den\u00a0dramatisiert Florian Hanig in \u00fcberzeugender Weise die Auswirkungen des 11. Septembers auf den Stimmungsort Deutschland. Zeitnahe Inhalte wurden genau ermittelt, wirkungsvoll zum Einsatz gebracht und bereichern so das allgemeine Thema menschlicher Beziehung und ihrer Bedrohung durch lauernde Fremdheit um eine fesselnde, aktuelle Variante.<\/p>\n<h3>2001\/2002: Michael Wildenhain f\u00fcr\u00a0&#8222;Ins Offene&#8220; (1. Preis)<\/h3>\n<p>Anfang der 80er Jahre besetzen Frank Berberich und Khaled Jaafer gemeinsam ein Haus. 20 Jahre sp\u00e4ter ist Frank Polizist und stellt fest, dass Khaled Mitglied der Revolution\u00e4ren Zellen war und einen Richter erschossen hat. Frank muss entscheiden, was schwerer wiegt: die fr\u00fchere Freundschaft oder seine Pflicht als Polizeibeamter.<\/p>\n<p>Frank Berberich und Khaled Jaafer, der die ersten Jahre in Beirut verbracht hat, sind seit der Schulzeit in Berlin die besten Freunde. Zusammen mit Senay Beyaztepe, Franks kurdischer Freundin, besetzen sie 1981 ein Haus in Westberlin. Dem \u00fcberschw\u00e4nglichen Aufbruch folgt die baldige R\u00e4umung durch die Polizei.<\/p>\n<p>Bei der anschlie\u00dfenden Demonstration werden Khaled und Senay verhaftet, weil Frank ihnen nicht rasch genug beisteht. Als Senay verurteilt und in die T\u00fcrkei abgeschoben wird, beendet Khaled die Freundschaft mit Frank br\u00fcsk. Frank, der damit nicht klarkommt, wird krank und verl\u00e4sst Berlin.<\/p>\n<p>Zwanzig Jahre sp\u00e4ter st\u00f6\u00dft Frank, inzwischen beim Landeskriminalamt in Berlin, durch Zufall erneut auf den fr\u00fcheren Freund. Im Zuge von Ermittlungen, die eigentlich gegen radikal-islamistische Strukturen gerichtet sind, muss Frank erkennen, dass Khaled nicht nur Mitglied der Revolution\u00e4ren Zellen gewesen ist, sondern sehr wahrscheinlich auch einen hochrangigen, f\u00fcr Asylverfahren zust\u00e4ndigen Richter erschossen hat. Es ist derselbe Richter, der Senay 1981 verurteilt und abgeschoben hat.<\/p>\n<p>Mit sich uneins und innerlich zerrissen beh\u00e4lt Frank seinen Verdacht f\u00fcr sich, statt ihn Tanja Sewering, einer ihm beigeordneten Beamtin des Bundeskriminalamts, mitzuteilen. Er besucht Senay, die l\u00e4ngst wieder in Berlin ist, und erf\u00e4hrt, dass sie in der T\u00fcrkei gefoltert wurde. Nach dem Treffen wei\u00df Frank erst recht weder ein noch aus, zumal sich Khaled w\u00e4hrend der Jahre um Senay gek\u00fcmmert hat.<\/p>\n<p>Er sucht Khaled auf, der, obwohl schon fast auf der Flucht, lange mit dem Freund von fr\u00fcher redet. Nur zu gern w\u00fcrde Frank glauben, was der einstige Weggef\u00e4hrte beteuert: Er, Khaled, sei an den zentralen Aktivit\u00e4ten der Revolution\u00e4ren Zellen kaum beteiligt gewesen. Aber dann verr\u00e4t Khaled sich im Verlauf der Nacht. In dem Moment, als Frank den Tatsachen ins Auge blicken muss, kann Khaled Jaafer fl\u00fcchten.<\/p>\n<p>Der Film endet, wo er begonnen hat: Im Grenzgebiet zwischen der Schweiz und Italien. Dort sind die Freunde als Jugendliche Ski gelaufen, und dort, in den Bergen, kann Frank Khaled noch einmal stellen. Als Tanja Sewering, die junge und beharrliche Polizistin, auftaucht, muss Frank sich endg\u00fcltig entscheiden. Am Ende ist er tot und Khaled ist entkommen.<\/p>\n<h3>Daniel Wolf f\u00fcr\u00a0&#8222;Zores&#8220; (2. Preis)<\/h3>\n<p>J\u00fcdischer Caterer zieht unfreiwillig Vorteil aus der nicht-verarbeiteten Vergangenheit seiner deutschen Kunden<\/p>\n<p>Der Jude Leo Rosen ist nicht gerade vom Erfolg verw\u00f6hnt. Unz\u00e4hlige Studien abgebrochen, diverse Versuche als Unternehmer ein Bein auf den Boden zu kriegen \u2013 all das ist kl\u00e4glich gescheitert. Finanziell kommt er dadurch \u00fcber die Runden, dass ihm seine Mutter immer wieder was zusteckt. Au\u00dferdem bekommt er eine geringe Aufwandsentsch\u00e4digung daf\u00fcr, dass er die Jugendmannschaft eines j\u00fcdischen Sportclubs trainiert. So ist er inzwischen 35 Lenze alt geworden und lebt bei Mama. Die wei\u00df nicht, dass Leo unsterblich in Claire verliebt ist, eine russische J\u00fcdin, die seit 10 Jahren mit ihrem wesentlich j\u00fcngeren Bruder in M\u00fcnchen lebt. Bisher hat sich Leo noch nicht getraut ihr seine Gef\u00fchle zu gestehen, aus Angst sie k\u00f6nne ihm einen Korb geben. Dabei h\u00e4tte er Claire am liebsten die ganze Zeit um sich. Da bietet sich ihm zuf\u00e4llig eine Chance hierzu. Der in gesch\u00e4ftlichen Dingen eher unbedarfte Leo kann einen Staatssekret\u00e4r \u00fcberzeugen, ihn mit dem Catering des bevorstehenden Sommerempfanges der Staatskanzlei zu beauftragen. Das Besondere daran \u2013 Leo wird ausschlie\u00dflich j\u00fcdische Speisen darreichen. Er bietet Claire, die gerade arbeitslos ist, einen Job an, was daran scheitert, dass sie bereits auf Leos erstes zaghaftes Liebeswerben einsteigt, aber nun nicht mehr bereit ist f\u00fcr oder mit ihm zu arbeiten (niemals privates mit gesch\u00e4ftlichem mischen lautet ihre Devise). Leider l\u00e4sst sich der Staatssekret\u00e4r nicht \u00fcberzeugen, die Sache abzublasen. Leo hat keine Ahnung, wie er den Auftrag alleine abwickeln soll, aber schlie\u00dflich gelingt es ihm, seine Mutter zum Kochen zu \u00fcberreden, und er stellt er ihr einen \u00e4lteren skurrilen Wiener Koch als Hilfe zur Seite. Das n\u00e4chste Problem gestaltet sich etwas schwieriger, denn die Bank will ihm kein Geld geben. Doch als der Filialleiter ohne Leos Absicht mitbekommt, dass das zu finanzierende Projekt im Zusammenhang mit j\u00fcdischem Essen steht, \u201e\u00fcberredet\u201c er den Kreditsachbearbeiter, dass er den Kredit erh\u00e4lt. Man verspricht sich durch die Unterst\u00fctzung des Juden Leo eine Imageverbesserung. Claires j\u00fcngerer Bruder droht durchzufallen. Leo, der durch die Sache in der Bank erkannt hat, dass das Wort \u201ej\u00fcdisch\u201c eine scheinbar magische Wirkung hat, versucht die Lehrerin durch den Vorwurf des Antisemitismus dazu zu bringen, den Jungen nicht durchfallen zu lassen. Zu dumm, dass sie selbst J\u00fcdin ist. Claire ist sauer auf Leo, der nun wirklich alleine schauen kann, wie der das Fest \u00fcber die B\u00fchne bringt. Zu allem \u00dcberfluss erleidet seine Mutter einen Herzinfarkt, und als am n\u00e4chsten Tag schlie\u00dflich das B\u00fcffet auf dem Sommerfest aufgebaut ist, stellt sich heraus, dass das Essen verdorben ist.\u00a0 Alles scheint verloren, doch keiner der Anwesenden geht auf Leos Entschuldigung ein. Sie h\u00f6ren ihm nicht mal zu, sondern finden das Essen gro\u00dfartig, jedenfalls behaupten sie das. Denn sie w\u00fcrden sich niemals trauen, \u00fcber j\u00fcdisches Essen \u00f6ffentlich etwas schlechtes zu sagen. Das hindert sie freilich nicht daran, hinter vorgehaltener Hand \u00fcber das perfide Vorgehen Leos zu l\u00e4stern: Das sei mal wieder typisch, insgeheim lacht er sie bestimmt aus, denn er w\u00fcsste nat\u00fcrlich, dass sie aufgrund der Geschichte verdammt seien, dieses grausige Zeug zu essen. Jeder neue, v\u00f6llig ernsthafte Versuch Leos sich zu entschuldigen, best\u00e4tigt sie in ihrer Haltung. Durch einen TV-Bericht, in dem sich alle lobend \u00fcber das Essen \u00e4u\u00dfern, wird die \u00d6ffentlichkeit auf das Angebot aufmerksam, und so steht das Telefon bei Leo nicht mehr still. Er bekommt unz\u00e4hlige Auftr\u00e4ge. \u2013 Von nun an arbeitet er und Claire zusammen, ganz so wie Leo es von Anfang an wollte.<\/p>\n<p>Jury:\u00a0Molly von F\u00fcrstenberg (Filmproduzentin), Tankred Dorst, Prof. Andreas Gruber (Hochschule f\u00fcr Fernsehen und Film),\u00a0Dr. Gabriela Sperl\u00a0(Bayerischer Rundfunk)<\/p>\n<h3>2000\/2001: Beatrice Dossi f\u00fcr &#8222;Salon Brasil&#8220;<\/h3>\n<p>Sambaprinzessin verwandelt M\u00fcnchner Mutter-Sohn-Haushalt in Klein Rio. &#8211; Kom\u00f6die.<\/p>\n<h3>Petra Mistry f\u00fcr\u00a0&#8222;Die Farben des Lichts&#8220;<\/h3>\n<p>Seherisch veranlagte junge Frau trifft Schattengeliebten.<\/p>\n<h3>1999\/2000: Franziska Riemann f\u00fcr\u00a0&#8222;Die Hunde sind schuld&#8220; (1. Preis)<\/h3>\n<p>In der Welt untergehender Realutopien und der Unwirklichkeit der St\u00e4dte entwirft Franziska Riemann augenzwinkernd und mit sicherer Hand ein milieu- und dialogsicher skizziertes Szenario f\u00fcr eine charmante Realgroteske. Diese hat Herz, Humor und Bodenhaftung im Lebensalltag der sonderbar skurrilen, doch stets liebenswerten Protagonisten. Aus scheinbar lebensl\u00e4nglich unablebbarer Symbiose mit Mutti erl\u00f6sen Franziska Riemanns liebevolle Menschenkenntnis und dramatisches Talent die m\u00e4nnliche Hauptfigur &#8211; den sch\u00fcchternen Imbissbudenbesitzer, Eigenbr\u00f6tler und Hundephobiker Engelbrecht. Dem macht ganz offenbar das Kindheitstrauma mit Muttis dominantem Bernhardiner zu schaffen. Ohne jedes psychologische Tamtam schreibt die Autorin das miniaturenhaft montierte Kunstst\u00fcck von Engelbrechts sp\u00e4ter Emanzipation zu einem guten Ende hin. Auf dem spannenden Wege dorthin konfrontiert die Autorin Engelbrechts Infantilit\u00e4t mit der drallen M\u00fctterlichkeit der verwitweten Marlene Meiser in deren besten Jahren. Diese schmucke Hausmeisterin im Hinterhof von Engelbrechts Mietshaus verordnet Franziska Riemann ihrem sympathischen Helden als ebenso handfestes wie heilsames Therapeutikum. Marlenes Handicap indes &#8211; ihr Scho\u00dfh\u00fcndchen, die niedliche Terrierdame Susi &#8211; stiftet reichlich Verwirrung. Auf bemerkenswerte Weise erinnern Franziska Riemanns in sich gebrochene Figuren an Charakterbilder in Elias Canettis Essays und Personenbeschreibungen. Ihre scheinbar stabilen Charaktere tragen stets die Chance zu Anderem, mitunter H\u00f6herem, ja vielleicht Lebensgl\u00fcck in sich. Im Warenhaus der Filmkom\u00f6dien ist Franziska Riemanns Stoff eine Preziose &#8211; ihr Talent hierf\u00fcr eine Rarit\u00e4t.<\/p>\n<h3>Sylke Rene Meyer f\u00fcr &#8222;Wer ist Anna Walentynowicz?&#8220; (2. Preis zur H\u00e4lfte)<\/h3>\n<p>Sylke Rene Meyer erz\u00e4hlt die wahre Geschichte von Anna Walentynowicz &#8211; der Vorzeigearbeiterin auf der Danziger Lenin-Werft, der kleinsten Kranf\u00fchrerin der Welt, einer Waise, die Mutter wird &#8211; einem Fl\u00fcchtling, der Heimat findet &#8211; einer Analphabetin, die Geschichte schreibt. \u00dcber das Schicksal der unbekannten Gr\u00fcnderin der Gewerkschaft Solidarnosc entfaltet die Autorin einen faszinierenden Bilderbogen der achtziger Jahre im sozialistischen Polen vor der politischen Wende. In einer geschickten Vermischung biografischen Materials und Zeitgeschichte, von historischen Fakten und emotional fokussierter Geschichte nimmt Sylke Rene Meyers Hauptfigur durch elementare Vitalit\u00e4t, politischen Instinkt, Charakter und Haltung gefangen. In dem Ma\u00df, wie uns die Autorin Anna Walentynowicz ans Herz legt, \u00f6ffnen sich die Augen f\u00fcr die kleinen und letztlich gro\u00dfen Hintergr\u00fcnde echter Weltgeschichte. \u00c4hnlich wie in Eberhard Fechners Doku-Dramen verschmilzt in Sylke Rene Meyers hervorragend recherchiertem Stoff Lebensalltag und Zeitgeschichte.<\/p>\n<h3>Christian Rendel f\u00fcr\u00a0&#8222;Black Out&#8220; (2. Preis zur H\u00e4lfte)<\/h3>\n<p>Christian Rendels dramaturgisch raffiniert verschr\u00e4nkter Psychothriller stellt sich zun\u00e4chst als pures Kriminalst\u00fcck vor. In einem faszinierend wechselnden Rollenspiel verwandelt der Autor den Auftrag des Berliner Privatdetektivs Carlos Perdona, das Verschwinden eines minderj\u00e4hrigen M\u00e4dchens aufzukl\u00e4ren, in eine paranoide H\u00f6llenfahrt des Protagonisten von zwingender Intensit\u00e4t. Die ausweglose Verstrickung Perdonas in Kriminalit\u00e4t und Schuld wird mit hermetischer Konsequenz erz\u00e4hlt. Den Blackout von Perdonas Erinnerung verdichtet der Autor mit szenischer und dialogischer Kraft zu einem Danteschen Inferno von archaischer Wucht. Das besondere Talent des Autors ist es, die H\u00fclle des \u00e4u\u00dferen Dramas von Handlung und Personen zu durchbrechen. So werden in der Subtextur dieses mitrei\u00dfenden Actionkinos existenziellere Kategorien von Schuld und S\u00fchne ohne jedes moralische Lamento sp\u00fcrbar. Dass der Teufel in Gestalt des Bordell- und Nachtclubbesitzers Veit Lahan die Finger im Spiel hat, ist mehr als ein klassischer Verweis auf den schmalen Grat zwischen Liebe und Leid, Eros und Gewalt, Himmel und H\u00f6lle. In Perdonas Zeitreise jedenfalls scheint es Schlimmeres zu geben als die H\u00f6lle.<\/p>\n<h3>1998\/1999: Ursula Mauder f\u00fcr\u00a0&#8222;Geschwister Trakl&#8220; (1. Preis)<\/h3>\n<p>Stilsicher und knapp in der Skizzierung ihrer historischen Lebensmilieus zwischen Salzburg, Wien und Berlin sowie menschlich genau und sensibel in den psychischen Valeurs der sich stets vor sich und der Welt verbergenden\u00a0amour fouerz\u00e4hlt Ursula Mauder intensiv und diskret zugleich das Liebes- und Inzestdrama &#8211; die ersch\u00fctternde Daseinstrag\u00f6die des Dichters Georg Trakl und seiner j\u00fcngeren Schwester Gretl. Der Mythos der Geschwisterliebe &#8211; ein dem literarischen Zeitgeist der Romantik h\u00f6chstes Gut verschmelzender Geschlechterbeziehung &#8211; wird in Ursula Mauders Drehbuch\u00a0Geschwister Trakl\u00a0als faszinierende Obsession aus Wahn und Wirklichkeit erz\u00e4hlt. Die filmische Dramatik gewinnt in dem zum lebenslangen Trauma verdichteten Szenario aus symbiotischer Verschmelzung, zersetzenden Schuldgef\u00fchlen, Angst, Scham, Verdr\u00e4ngung, Drogenexzess, Georgs Flucht in die Welt der Prostitution und die Gretls in eine Stellvertreterehe sowie durch die Selbstt\u00f6tung der beiden Protagonisten ein geradezu antikisches Format eines ganz gro\u00dfen Liebesfilmes. Er f\u00fchrt den Menschen unserer Zeit Gr\u00f6\u00dfe, Ma\u00df und Ma\u00dflosigkeit einer vergeblichen Liebe bewegend vor Augen.<\/p>\n<h3>Andrea Kriegl f\u00fcr\u00a0&#8222;Rabenkinder&#8220; (2. Preis)<\/h3>\n<p>In Rabenkinder &#8211; einem Film \u00fcber die Freiheit (so die Autorin) &#8211; gelingt es Andrea Kriegl, vor der bildm\u00e4chtigen Kulisse der eisigen Bergwelt Heldenreise und Flucht des tapfer-rebellischen jungen Chrysanth, der k\u00e4mpferisch-klugen Maria und der kleinen geschundenen Kinderschar aus Not und Elend ihres d\u00fcsteren Bergdorfes in die heilere, bessere Welt jenseits des Berggipfels zu erz\u00e4hlen. Der erz\u00e4hlerische Reichtum an szenisch attraktiven Miniaturen, menschlich r\u00fchrenden Motiven und poetischen Bildern von gro\u00dfer filmischer Kraft und Dramatik verkn\u00fcpft sich &#8211; f\u00fcr Kinder und Erwachsene gleicherma\u00dfen spannend &#8211; zu einem dramaturgisch schl\u00fcssigen Spielfilmstoff vom Genre eines Bergfilmes, eines Heimatfilmes oder Abenteuerfilmes, jedenfalls eines ins Fabel- und Parabelhafte gesteigerten und mitrei\u00dfenden Kinofilmes von Saft, Kraft und filmischer Spannung.[\/vc_column_text][vc_column_text]<\/p>\n<hr \/>\n<p>[vc_icon display=&#8220;inline&#8220; icon=&#8220;fa fa-chain&#8220; heading_semantic=&#8220;div&#8220; text_size=&#8220;&#8220;][\/vc_icon]<a href=\"https:\/\/www.drehbuchwerkstatt.de\/relaunch\/2020\/11\/tankred-dorst-preis-preistraeger-und-bedeutung\/\">Preistr\u00e4ger 2009\/2010 &#8211; heute<\/a>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gesellschaft der Freunde und F\u00f6rderer der Hochschule f\u00fcr Fernsehen und Film richtete anl\u00e4sslich des 10j\u00e4hrigen Bestehens der DrehbuchWerkstatt M\u00fcnchen einen Preis f\u00fcr Absolventinnen und Absolventen ein. 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