{"id":796,"date":"2003-04-09T10:22:45","date_gmt":"2003-04-09T08:22:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.drehbuchwerkstatt.de\/relaunch\/?p=796"},"modified":"2020-11-16T15:19:38","modified_gmt":"2020-11-16T14:19:38","slug":"begabt-besessen-besonders-sz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.drehbuchwerkstatt.de\/relaunch\/2003\/04\/begabt-besessen-besonders-sz\/","title":{"rendered":"Begabt, besessen, besonders (SZ 4\/2003)"},"content":{"rendered":"<div class=\"wpb-content-wrapper\"><p>[vc_row][vc_column width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text][vc_custom_heading heading_semantic=&#8220;h5&#8243; text_size=&#8220;h5&#8243; text_font=&#8220;font-672269&#8243; text_weight=&#8220;300&#8243; text_transform=&#8220;uppercase&#8220; text_color=&#8220;color-dfgh&#8220;]PRESSE-ECHO[\/vc_custom_heading][vc_custom_heading heading_semantic=&#8220;h1&#8243; text_size=&#8220;h1&#8243; text_font=&#8220;font-672269&#8243; text_weight=&#8220;300&#8243; text_color=&#8220;accent&#8220; separator=&#8220;yes&#8220; separator_color=&#8220;yes&#8220; separator_double=&#8220;yes&#8220;]SZ[\/vc_custom_heading]<\/p>\n<h3><strong>Begabt, besessen, besonders<\/strong><\/h3>\n<p>Von Tanja Rest<\/p>\n<p><strong>Die M\u00fcnchner Drehbuchwerkstatt bereitet Erz\u00e4hltalente auf eine harte Branche vor<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ein Caf\u00e9 in der Innenstadt, fr\u00fcher Abend. Mitten im Raum steht eine blonde Frau, die ein bisschen verloren aussieht. Sie schaut zum Eingang, mustert verstohlen die Anwesenden. Offenbar wartet sie auf jemanden. Eine zweite Frau, Mappe unterm Arm, kommt hereingest\u00fcrzt.<\/strong><\/p>\n<p><strong>ZWEITE FRAU: Entschuldigung!<\/strong><\/p>\n<p><strong>ERSTE: Sind Sie Frau. . . ?<\/strong><\/p>\n<p><strong>ZWEITE: Ja, hallo. Tut mir leid, dass ich so sp\u00e4t bin. Viel los heute. \u00c4h, wollen wir uns dort hinten&#8230;?<\/strong><\/p>\n<p><strong>ERSTE: Ich bin ja mal gespannt. Klar, da hinten ist gut.<\/strong><\/p>\n<p><strong>ZWEITE: Ein ruhiges Pl\u00e4tzchen.<\/strong>[\/vc_column_text][\/vc_column][\/vc_row][vc_row][vc_column width=&#8220;1\/2&#8243;][vc_column_text]K\u00f6nnte so ein gutes Drehbuch anfangen? Hmm, kommt ganz drauf an. Vielleicht ist die versp\u00e4tete Frau ja Privatdetektivin und hat den Mann der Anderen beschattet, dann w\u00e4re es ein Beziehungsdrama. Vielleicht haben sie sich in der Eile auch verwechselt: Die zweite Frau hat einen Termin mit einer potenziellen Klientin, die erste eine Kontaktanzeige in einem Schwulen-Magazin aufgegeben und auf ihr Date gewartet; Riesendurcheinander, und zum Schluss verlieben sie sich doch \u2013 dann w\u00e4re es eine romantische Kom\u00f6die. Weil dies aber kein Kino ist, sondern die Realit\u00e4t, ist die Wahrheit viel profaner. Eine Verabredung zum Interview: Zu sp\u00e4t erschienen ist die Journalistin, gewartet hat Andrea Kriegl, 38 Jahre alt, Drehbuchautorin \u2013 \u201ein einer guten Phase\u201c, wie sie sagt.<\/p>\n<blockquote><p>Wie wird man Drehbuchautor?<\/p><\/blockquote>\n<p>Wie wird man Drehbuchautor? Auf diese Frage gibt es wahrscheinlich genau so viele Antworten wie Menschen, die mit dieser Kunst ihr Geld verdienen. Bei Andrea Kriegl zum Beispiel hat es damit angefangen, dass sie ihrer f\u00fcnfj\u00e4hrigen Nichte am Telefon Geschichten erst vorgelesen und dann selbst welche erfunden hat. Sie hat auch schon immer Filme geliebt, aber schreiben, puh, \u201edas war f\u00fcr mich was ganz oben Angesiedeltes\u201c. Es dauerte Jahre, bis die studierte Volkskundlerin den Mut aufbrachte, ihre Bewerbung einzureichen. Drehbuchwerkstatt. \u201eEin Befreiungsschlag f\u00fcr mich.\u201c<\/p>\n<p>Seit 1989 gibt es dieses Fortbildungsangebot der Hochschule f\u00fcr Fernsehen und Film, unterst\u00fctzt von der bayerischen Staatskanzlei und dem Bayerischen Rundfunk (www.drehbuchwerkstatt.de). Jeder Teilnehmer muss eine zweistufige Aufnahmepr\u00fcfung bew\u00e4ltigen, bekommt dann einen pers\u00f6nlichen Betreuer und, soweit begr\u00fcndet, ein Stipendium von 6500 Euro. Im Laufe eines Jahres lernt er die Grundregeln von Dramaturgie, Filmsprache und Produktion und entwickelt ein eigenes Drehbuch.<\/p>\n<blockquote><p>Wirklichkeitsnah!<\/p><\/blockquote>\n<p>\u201eWirklichkeitsnah\u201c nennt Benedikt R\u00f6skau vom Verband deutscher Drehbuchautoren das M\u00fcnchner Institut. \u201eEs ist hierzulande die Werkstatt mit der l\u00e4ngsten Erfahrung, mit einer sehr intensiven Betreuung \u2013 und dabei nicht so verschult wie andere.\u201c Rund 80 Prozent der Teilnehmer schaffen hinterher den Sprung in die Branche, machen vielleicht sogar Karriere \u2013 Susanne Schneider (\u201eSolo f\u00fcr Klarinette\u201c), Hans-Christian Schmid (\u201eNach f\u00fcnf im Urwald\u201c) und Bernd Lichtenberg (\u201eGoodbye Lenin\u201c) z\u00e4hlen zu den Absolventen. Doch der Konkurrenzkampf wird h\u00e4rter. Es gebe, sagt R\u00f6skau, keine Krise des Drehbuchs, sondern eine Krise des Programmplatzes. Vor dem Crash des Kirch- Imperiums wurden in Deutschland pro Jahr etwa 300 Drehb\u00fccher verfilmt, 2002 waren es noch 200. Statt aufw\u00e4ndiger Spielfilme werden vermehrt Quiz- und Talkshows ins Programm genommen. \u201eDie Chancen f\u00fcr den Nachwuchs sind schlecht. Aber die Drehbuchwerkstatt ist immerhin schon mal ein gutes Sprungbrett.\u201c<\/p>\n<p>Andrea Kriegl bekam einen der begehrten zehn Pl\u00e4tze, 1998 war das. Zu diesem Zeitpunkt regte sich nebelhaft eine einzelne Szene \u2013 ein Junge nimmt Abschied von seinen Eltern \u2013 und ein riesengro\u00dfes Gef\u00fchl: Heimweh. Nicht viel. Aber der Anfang von vielem. \u201eRabenkinder.\u201c H\u00f6ren wir ihr einen Moment lang zu.<\/p>\n<p>\u201eEin armer Bauernjunge: Chrysant, das hei\u00dft Goldene Blume, also, Chrysant verl\u00e4sst seine Eltern und bricht auf zum Kindermarkt ins Schw\u00e4bische, um Arbeit zu finden. Das hat es \u00fcbrigens wirklich gegeben. Er wird aber verschleppt und an ein Bergwerk verkauft, wo er zusammen mit anderen Kindern nach Gold sch\u00fcrfen muss. Er wird der Anf\u00fchrer einer Ausbrecher-Gruppe von Kindern. Der Schwarze Reiter folgt ihnen, und sie erleben unglaubliche Abenteuer, bis sie sich schlie\u00dflich von dem gestohlenen Gold ein St\u00fcck Land kaufen. Es ist ein bisschen wie Moses\u2019 Flucht aus \u00c4gypten, das klassische Heldenabenteuer. Ich hab\u2019 ein totales M\u00e4rchen draus gemacht.\u201c<\/p>\n<p>Selbstvergessenes R\u00fchren im Espresso, Euphorie im Gesicht, anf\u00e4ngliche Sch\u00fcchternheit wie weggepustet. Ihr beim Erz\u00e4hlen zuzuschauen, ist ein frohes Erlebnis \u2013 wie es einen manchmal halt ber\u00fchrt, wenn ein Mensch sein Herz an eine Sache geh\u00e4ngt und dabei so etwas wie Erf\u00fcllung gefunden hat. Ihr Lehrer und Mentor Klaus Schreyer wird es sp\u00e4ter \u201eBesessenheit im positiven Sinne\u201c nennen: dieses emotionale Fieber, die v\u00f6llige Hingabe an den Stoff. Aber Besessenheit tut auch weh. Ein Jahr lang, erz\u00e4hlt Andrea Kriegl, habe sie immer nur an diese Geschichte gedacht, extrem stark mitgelitten, Fluchtgedanken gehabt. Dazu die gro\u00dfen Runden mit den anderen Werkstatt- Sch\u00fclern. Die den gleichen Kampf k\u00e4mpften, ebenfalls ihre unfertigen Leinwandfantasien offen legten. Das Gef\u00fchl, sich \u00f6ffentlich nackt auszuziehen. \u201eSelbstzweifel\u201c, sagt sie, \u201eohne die geht es nicht.\u201c<\/p>\n<blockquote><p>Achtung auf die 3 B&#8217;s<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn er einen Drehbuch-Sch\u00fcler aufnehme, erkl\u00e4rt also Klaus Schreyer, dann achte er immer auf die drei Bs: \u201eBegabt. Besessen. Besonders. Der kreative Au\u00dfenseiter.\u201c Schreyer ist gemeinsam mit Wolfgang L\u00e4ngsfeld Leiter der Drehbuchwerkstatt und \u2013 Turnschuhe und Schottenk\u00e4ppi zum Nadelstreifenanzug \u2013 selbst eine famos eigenwillige Erscheinung. An den \u201eRabenkindern\u201c seiner Sch\u00fclerin Kriegl habe ihn, mehr noch als die \u00e4u\u00dfere Handlung, das innere Drama beeindruckt. \u201eMan sp\u00fcrte eine ungeheure Wucht, eine ganz gro\u00dfe positive Energie, die von diesen Kindern ausgeht. Zauberhaft.\u201c Doch kaum einer wei\u00df auch besser als Schreyer, dass eine gute Geschichte nicht zwangsl\u00e4ufig im Kino landet. Zwei von zehn Drehb\u00fcchern, die innerhalb von drei Jahren verfilmt werden: das pragmatische Jahrgangsziel.<\/p>\n<p>Um die Absolventen beim Start in den Beruf zu unterst\u00fctzen, pflegt man in der Werkstatt Kontakte zu Produzenten und den Redakteuren der Sendeanstalten. Alle Teilnehmer eines Jahrgangs erhalten die Chance, ihr Drehbuch am Rande des M\u00fcnchner Filmfests einem Branchenpublikum vorzustellen. Der BR stellt unter der Rubrik \u201eFirst Movies\u201c einen festen Programmplatz f\u00fcr Erstlingsfilme zur Verf\u00fcgung; Regisseure werden zum Teil direkt aus der angeschlossenen Filmhochschule rekrutiert. Ein ganzes Netzwerk f\u00fcr die kommende Generation von Filmerz\u00e4hlern. \u201eAber ohne die Bildungsinvestition, die das Land Bayern hier leistet\u201c, sagt Schreyer, \u201ew\u00e4re die Drehbuchwerkstatt nicht denkbar.\u201c<\/p>\n<p>ZWEITE FRAU: Was ist denn nun geworden aus den \u201eRabenkindern\u201c?<\/p>\n<p>ERSTE (strahlend, auch immer noch ein wenig erstaunt): Das Buch war mein T\u00fcr\u00f6ffner, das haben alle geliebt.<\/p>\n<p>ZWEITE: Wirklich?<\/p>\n<p>ERSTE: Ich hab\u2019 da aber auch wirklich alles reingesteckt.<\/p>\n<p>Andrea Kriegl entwickelt mittlerweile Spielfilm-Stoffe f\u00fcrs ZDF, sie hat in drei Jahren 14 Expos\u00e9s verkauft, aber au\u00dfer einer Folge von \u201eVater wider Willen\u201c nochnichts im Fernsehen gesehen. F\u00fcr die \u201eRabenkinder\u201c hat sie damals den Tankred-Dorst-Preis f\u00fcr Nachwuchsautoren bekommen. Ende 2004 soll die Geschichte f\u00fcrs Kino verfilmt werden. \u201eIch dachte mal, ich schreib ein Buch, geb\u2019s ab, krieg Geld, und dann wird gedreht. Aber von zehn Stoffen wird vielleicht einer realisiert, und dann sind das immer noch jahrelange Prozesse. \u201c Sie sagt, das m\u00fcsse man erstmal aushalten.[\/vc_column_text][\/vc_column][vc_column width=&#8220;1\/2&#8243;][vc_single_image media=&#8220;761&#8243; media_lightbox=&#8220;yes&#8220; media_width_percent=&#8220;100&#8243;][\/vc_column][\/vc_row]<\/p>\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>[vc_row][vc_column width=&#8220;1\/1&#8243;][vc_column_text][vc_custom_heading heading_semantic=&#8220;h5&#8243; text_size=&#8220;h5&#8243; text_font=&#8220;font-672269&#8243; text_weight=&#8220;300&#8243; text_transform=&#8220;uppercase&#8220; text_color=&#8220;color-dfgh&#8220;]PRESSE-ECHO[\/vc_custom_heading][vc_custom_heading heading_semantic=&#8220;h1&#8243; text_size=&#8220;h1&#8243; text_font=&#8220;font-672269&#8243; text_weight=&#8220;300&#8243; text_color=&#8220;accent&#8220; separator=&#8220;yes&#8220; separator_color=&#8220;yes&#8220; separator_double=&#8220;yes&#8220;]SZ[\/vc_custom_heading] Begabt, besessen, besonders Von [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":761,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,22],"tags":[29,30,32,33],"class_list":["post-796","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-echo","tag-drehbuchwerkstatt","tag-muenchen","tag-echo","tag-sz"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.drehbuchwerkstatt.de\/relaunch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/796","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.drehbuchwerkstatt.de\/relaunch\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.drehbuchwerkstatt.de\/relaunch\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.drehbuchwerkstatt.de\/relaunch\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.drehbuchwerkstatt.de\/relaunch\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=796"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.drehbuchwerkstatt.de\/relaunch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/796\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":942,"href":"https:\/\/www.drehbuchwerkstatt.de\/relaunch\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/796\/revisions\/942"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.drehbuchwerkstatt.de\/relaunch\/wp-json\/wp\/v2\/media\/761"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.drehbuchwerkstatt.de\/relaunch\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=796"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.drehbuchwerkstatt.de\/relaunch\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=796"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.drehbuchwerkstatt.de\/relaunch\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=796"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}