MEDIEN BULLETIN März 1989
Am 24. Oktober 1988 wurde sie beschlossen, am 13. Dezember 1988 der Öffentlichkeit vorgestellt und am 8. Mai 1989 wird sie ihren Betrieb aufnehmen: die Drehbuchwerkstatt München. Schreiben als Handwerk ist die Maxime des Lehrprogramms.
Am 8. Mai beginnt für 10 bis 15 Teilnehmer ein einjähriges Experiment, das sich „Drehbuchwerkstatt München" nennt. Es dient der Ausbildung, Fortbildung und Förderung begabter junger Drehbuchautoren, die sich in dem Metier bereits versucht haben. Dabei wird ein besonderer Akzent auf das Handwerkliche gelegt, d. h., die jungen Schreiber, zwischen 25 und 40 Jahre alt, sollen nach Beendigung des einjährigen Projekts in der Lage sein, produktionsreife Drehbücher zu erstellen, die optisch und szenisch so eingerichtet sind, daßsie für Produktion, Regie und Kamera einsetzbar sind. Und: „Sie sollen für Menschen sprechbare Sätze enthalten", wie es Professor August Everding, Generalintendant der Bayerischen Staatstheater, formulierte.
Die Nachfrage ist groß
Unter seinem Vorsitz wurde am 24. Oktober 1988 die Einrichtung der „Drehbuchwerkstatt München" von der Gesellschaft der Freunde und Förderer der Hochschule für Fernsehen und Film e.V. beschlossen. Getragen wird das Projekt vom Bayerischen Rundfunk (BR), vom Bayerischen Staatsministerium und von der Hochschule für Film und Fernsehen (HFF).
500.000 DM Förderungssumme stehen zur Verfügung, davon zahlen jeweils der BR und das Staatsministerium die Hälfte.
Die Repräsentanten der drei tragenden Institutionen waren sich darüber einig, daß ein großer Bedarf an Drehbuchautoren vorhanden sei. denn: „Das Drehbuch ist das Schicksal des Films und der Sendung", wie Professor Helmut Oeller, Präsident der HFF, mit Nachdruck konstatierte. Dr. Thomas Goppel, Staatssekretär des Bayerischen Staatsministeriums, unterstrich die Notwendigkeit der Förderung mit einem Zitat des Filmaltmeisters Alfred Hitchcock, der meinte, man brauche drei Dinge für einen guten Film: Erstens ein gutes Drehbuch, zweitens ein gutes Drehbuch und drittens ein gutes Drehbuch. Professor Wolfgang Längsfeld, Lehrender an der HFF und neben Professor Klaus Schreyer Betreuer des Projekts, stellte fest, daß zwar sehr viele gute Ideen für Filme vorhanden seien, aber selten gute Drehbücher. Und mit Geld allein könne man keine guten Leute fördern. Vielmehr bedürfe es einer individuellen Betreuung, die den Teilnehmern der „Drehbuchwerkstatt München" in diesem Experiment -als solches wird das Projekt gesehen - zuteil wird. Neben bundesdeutschen Lehrenden von verschiedenen Hochschulen, die auf Honorarbasis arbeiten werden, werden auch ausländische Experten eingeladen. Laut Längsfeld haben die amerikanischen Drehbuchautoren Eugene Vale, Frank Daniel und Syd Field ihr Interesse bereits bekundet. Einschränkend meinte Längsfeld, daß man jedoch nicht vorhabe, das amerikanische Know How auf deutsche Verhältnisse zu übertragen, man verspreche sich eher Impulse und Anregungen durch diese Zusammenarbeit.
1992 - auch hier ein Thema
Das Jahr 1992, also der Beginn des EG-Binnenmarktes, wird auch für die Film- und Fernsehindustrie nicht ohne Konsequenzen bleiben. Koproduktionen mit dem europäischen wie auch außereuropäischen Ausland wer den aus Kostengründen wichtiger denn je. Professor Oeller betonte deshalb auch die Notwendigkeit, Drehbuchautoren auf diesen Zusammenhang aufmerksam zu machen. Die Themen und Inhalte der Drehbücher sollen so konzipiert sein, daß sie über die nationale Ebene hinaus interessant sind, was nicht bedeutet, daß man sie dem befürchteten Europudding" unterwirft. Im Gegenteil. Die Originalität eines Stoffes müsse unbedingt gewahrt bleiben, was zählt ist Qualität, und die hat bekanntlich keine Grenzen.


