DrehbuchWerkstatt München

Fortbildung zum Film- und Fernsehautoren an der HFF

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black box - Filmpolitischer Informationsdienst

Filmpolitischer Informationsdienst Nr. 16, Januar 1986

Drehbuchförderung:  10 aus 630

Während im ersten Entwurf zur FFG-Novellierung die Drehbuchstipendien wegen "mangelnder Effizienz" ersatzlos gestrichen wurden, starten andernorts auf dem Gebiet der Autorenförderung eine Reihe von Aktivitäten. Ob und inwieweit das Schreiben von Drehbüchern erlernbar ist,  soll das Experiment  'Drehbuchwerkstatt'  des Berli­ner .Kultursenats und des Literarischen Colloquiums im Laufe dieses Jahres zeigen. Die Aussicht auf die Zusammenarbeit mit Fachleuten - und wohl auch nicht zuletzt auf das großzügig bemessene Stipen­dium von monatlich 2.500 DM -   motivierte fast 700 Bewerber,  in­nerhalb einer relativ kurzen Frist von sechs Wochen ihre Filmideen zu skizzieren.  630 Entwürfe,  zu 85% aus Berlin,  stehen zur Aus­wahl,  der Rest wurde wegen Formfehler nicht akzeptiert.  Die Anzahl der eingesandten Exposes,  die selbst die Organisatoren erstaunte, stellt die Juroren - Rudolf Thome  (Filmemacher),  Rolf Liccini (geb. Deppe, Kameramann,  BVK), Curt Flatow (Drehbuchautor),  Kar­sten Witte (Filmpublizist) und Manfred Durniok (Produzent) vor eine fast unlösbare Aufgabe.  Ein Vorlektorat wurde nicht einge­richtet,  jeder Juror soll jeden Drehbuchentwurf lesen.  Am 17.02. fallen die Entscheidungen.  Selbst wenn sich die Juroren bis zu diesem Zeitpunkt ausschließlich dieser Aufgabe widmeten - was bei "Freien" nahezu undenkbar ist -,  kann die Fülle von Entwürfen kaum bewältigt werden.  Bei aller Bereitschaft der Juroren zu sorgfälti­ger und intensiver Auseinandersetzung mit den eingereichten Arbei­ten besteht die Gefahr,  daß letztendlich unter dem Termindruck die Entwürfe nur angelesen werden. Nicht jeder entfaltet sein Talent gleich auf der ersten Seite.  Trotz dieser organisatorischen An­laufschwierigkeiten darf man auf den Ausgang des Experiments gespannt sein.

Die Erfahrungen der Berliner Drehbuchwerkstatt können dann in das bayerische Modell einfließen, das zur Zeit in München entwickelt wird. Gedacht ist an einjährige Lehrgänge im Rahmen der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) mit 12 bis 15 Teilnehmern.  Vorgesehen sind Stipendien bis zu 2.000 DM monatlich.  Mit der Ausbildung,  die für alle Bewerber offen ist,  soll im Herbst 1986 begonnen werden. Als Träger sind die Landesanstalt für Aufbaufinanzierung  (Bayern-.Förderung),  das ZDF und die HFF im Gespräch.

Vertreter des ZDF haben in Experten-Runden auch auf die Möglich­keit hingewiesen,  sich im Rahmen der Volontärsausbildung in ihrem Hause als Autor zu schulen.

Angesichts dieser Aktivitäten bleibt zu hoffen,  daß das Bundes­wirtschaftsministerium seine Position in Sachen Drehbuchstipendien bei der FFG-Novellierung noch einmal überdenkt.  Die FFA hat be­kanntlich die für die Autorenförderung vorgesehenen Mittel nicht ausgegeben.  Eine Umwidmung der Gelder von den bisher üblichen Ein­zelstipendien auf andere Förderungsmodelle hält man auch in FFA-Kreisen für denkbar.

Drehbuchwerkstatt München

Seit der Ruf nach besseren Drehbüchern durch die deutsche Film­landschaft schallte,  hält die Nachfrage nach "Handwerkszeug" für das Drehbuchschreiben,  nach Seminaren, Handbüchern, Drehbuchbera­tung etc.  unvermindert an.  Nachdem die alljährlich von der FFA mit 40.000 DM finanzierten und vom Studio Hamburg durchgeführten Auto­renseminare offensichtlich doch nicht die gewünschten Erfolge zei­tigten, griffen Berlin und München die Idee der gezielten Autoren­weiterbildung auf.   1986 entstand die Berliner Drehbuchwerkstatt, mittlerweile bereits dreimal durchgeführt.

München brauchte etwas länger,  um seine Autorenwerkstatt auf den Weg zu bringen.  Ende November hat die Gesellschaft der Freunde und Förderer der Hochschule für Fernsehen und Film die Einrichtung der Drehbuchwerkstatt München beschlossen.  Träger ist die HFF, der Bayerische Rundfunk und das Bayerische Staatsministerium für Wis­senschaft und Kunst.  Am 8. Mai  1989 beginnt das Lehrprogramm.  Es werden 10 bis 15 Teilnehmer aufgenommen, die ein Stipendium in Höhe von 15.000 DM erhalten.   Die Bewerber sollten nicht jünger als 25 und nicht älter als 40 Jahre sein.  Entscheidend für die Zulas­sung ist die "besondere Begabung, die durch Arbeitsproben, eine am 'Markt' öffentlich bekannt gewordene, qualifizierte oder prädikatisierte einschlägige Leistung sowie durch eine gutachterliche Re­ferenz zu belegen ist." Sinn und Aufgabe der Drehbuchwerkstatt ist es, den "Instinkt für die  'ungeschriebenen Bücher unserer Zeit' und die 'Dramen und Komödien menschlichen Alltags'  zu wecken." Die Ausschreibung für die Bewerbung ist für Januar vorgesehen.  Gesell­schaft der Freunde und Förderer der HFF,  Frankenthaler Str.  23, 8000 München 90. Tel.  089/680004-0

 

 

Hochschule für Fernsehen und Film