Nominierungen

 

Antje Schneider Muttererde

Drama um eine Tochter und ihren Vater, die vor 8 Jahren Mutter und Frau verloren. Danach das Gefühl füreinander. Und nun - ihre Heimat? Vom Suchen und (Wieder)finden.

Jessica, Ende 20, Laborantin in Berlin, kann keine großen Sprünge machen. Ihr kleiner Bruder Robert, ein mittelmäßiger Schlagzeuger, liegt ihr regelmäßig auf der Tasche. Chronisch blank, ohne festes Einkommen und Wohnsitz, hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Jessica fühlt sich für ihn verantwortlich, seit die Mutter bei einem Autounfall ums Leben kam.

8 Jahre später wird sie von der Vergangenheit eingeholt. Eine Einladung nach Kolisdorf - zur Hochzeit ihres großen Bruders Jochen. Seit Jahren hatte sie wenig Kontakt zu ihm, noch weniger Sehnsucht nach ihrer Heimat und ein komplett gestörtes Verhältnis zu ihrem Vater Arnold. Jessica wirft ihm vor, die Familie mit dem Tod der Mutter zerstört zu haben. Ein Konflikt, der bis heute nicht gelöst ist.

 Jetzt, 8 Jahre danach, wird die zerrüttete Vater-Tochter-Beziehung aufs Neue strapaziert.

 Der Auslöser: Kolisdorf ist einem Braunkohle-Tagebau im Weg, soll restlos weichen. Was bedeutet, die Einwohner werden großzügig entschädigt und leisten sich an anderem Ort ein neues Heim.

Für den ständig klammen Robert der perfekte Anlass, schnell zu Geld zu kommen. Er überredet seine Schwester Jessica zu diesem Ausflug an die Wurzeln ihrer Kindheit.

Was beide unterschätzen: Ihr Vater Arnold ist der Einzige im Dorf, der partout nicht verkaufen will, mit seiner Klage bis vors Oberverwaltungsgericht zieht. Und während die restlichen Einwohner Haus und Hof für immer verlassen, die Abrissmaschinerie gnadenlos arbeitet, hofft Arnold auf einen gerechten Prozess. Setzt dafür das gesamte Familienerbe aufs Spiel.

 Jessica begibt sich auf eine emotional aufgeladene Reise, auf der es vordergründig um sehr viel Geld geht. Im tiefen Inneren aber um eine offene Rechnung zwischen Arnold und ihr.

 Und nur wenige Tage später verkünden die Richter ihr Urteil.

 

Florian Öller Zeit der Frösche

Eine einzelgängerische Kommissarin überschreitet alle Grenzen, um ihren vermissten Patensohn zu finden. Als sie den Jungen aufspürt, ist er beinah verloren. Um ihn zu retten, muss sie ihm zeigen, was er nicht kennt: Den Weg zu seinem Herz.

 Ein Angelausflug von VERA (42) und ihrem Patenkind JONAS (12), der stets von seiner Ratte begleitet wird, findet durch einen Anruf sein vorzeitiges Ende. Ihr Vorgesetzter RASCHER (52) ruft sie in den Dienst. Als Ermittlerin der Sonderfahndung leitet sie ein Verhör. Die Nacht nach der listigen Überführung eines Doppelmörders verbringt sie mit ihrem Geliebten MAHLER (38). Zur gleichen Zeit flüstert Jonas dem Mädchen MARIE (16) während einer Schulparty etwas ins Ohr. MAX (16) stellt den Jungen daraufhin zur Rede.

Veras Erholung währt indes nur kurz. Ein blutverschmierter Pullover ist in der Altkleidersammlung entsorgt worden. Bislang gibt es keine Vermisstenmeldung, aber Rascher glaubt an die Fortsetzung einer Mordserie an Mädchen. Vera hingegen fühlt sich an Jonas erinnert, der während ihrem Angelausflug solch einen Pulli trug. Die Hoffnung, den Jungen bei seinen Eltern ENZO (60) und MAJA (48) anzutreffen, erfüllt sich nicht. Jonas verbringt das Wochenende mit einer Nachbarsfamilie und ist nicht erreichbar. Vera misstraut dem Frieden und startet Ermittlungen, ohne sich jemandem mitzuteilen. Die Gespräche mit Jonas’ Großmutter ANNA (74) und SACHOW (55), einem der Familie zugewandten Mafia-Mitglied, bringen kein Ergebnis. Ihre Sorge schwindet erst, als die tatsächliche Trägerin des Pullis gefunden wird. Marie wurde erschlagen. Vera kann den vermeintlichen Täter stellen, der Geld für die Freilassung des Mädchens erpressen wollte. Doch kurz darauf weiß sie, dass der Erpresser ein Trittbrettfahrer war. Und der Pulli doch nicht Marie gehört hat.

Als die Nachbarn ohne den Jungen zurückkehren, wird ein Verbrechen an Jonas immer wahrscheinlicher. Der Junge hatte sich vor ihrer Abreise entschuldigt. Maja hat Angst, dass die Situation durch die Einbindung der Polizei eskaliert. Sie bittet Vera, die Ermittlungen alleine fortzusetzen. Max, den sie besucht, weil er öfter mit Jonas zu tun hatte, kann ihr nicht weiterhelfen. Als sie nicht mehr weiter weiß, sieht sie sich gezwungen, die Fahndung einzuleiten. Ihre Erschöpfung treibt sie zu Mahler, doch er kann ihr keine Ruhe schenken. Mit seinem Verlangen nach einer verbindlichen Beziehung setzt er sie unter Druck. Vera verschweigt die eigene Not. Ihr Konflikt läuft aus dem Ruder. Mahler trennt sich von ihr.

Fiebrig sucht Vera Jonas’ verzweifelten Vater Enzo auf, der ihr ein Geheimnis verrät. Der Junge ist hochintelligent, aber gefühlskalt. Jonas ist vermutlich Autist. Vera reagiert verwirrt. Aber als sie erfährt, dass auf Maries Leiche Rattenhaare gefunden wurden, lüftet sich der Schleier: Jonas ist nicht das Opfer, sondern wahrscheinlich der Täter. Sie stellt Maja zur Rede. Nach ihrer Auseinandersetzung fahren sie gemeinsam in Sachows Wohnung, wo Jonas im Kreise von Anna und Sachow weilt. Sie erklären Vera, dass der Junge nach der Schulparty mit blutverschmiertem Pulli nach Hause kam und schwieg. Maja bat Sachow und Anna um Hilfe. Gemeinsam versteckten sie Jonas. Weil jede Stunde mit ihm besser ist als eine ohne ihn, ganz gleich, was er getan hat. Vera soll seinen Aufenthaltsort verschweigen. Aber sie kann und will an der Intrige nicht teilnehmen. Sie muss erfahren, was passiert ist.

Auch im Verhörraum funktioniert für Jonas die Welt kalt und logisch. Ein Mörder wird benötigt, und er übernimmt die Rolle pflichtgemäß. Sein Verhalten treibt Vera zu Tränen. Ihre Trauer berührt Jonas und verschafft ihm Einblick in eine für ihn neue Welt. Jonas reagiert, womöglich das erste Mal in seinem Leben, auf einen emotionalen Impuls und erzählt die Wahrheit. Er forderte am Tatabend von Max eine Gegenleistung für die Nachhilfestunden und wollte ihm und Marie beim Geschlechtsakt zusehen. Als das Mädchen Jonas entdeckte, eskalierte die Situation. Max flieht. Jonas traf Marie mit einem Stein am Kopf. Max floh. Um die Ordnung wieder herzustellen und das Abitur des bereits strafmündigen Max nicht zu gefährden, tötete Jonas Marie. Vera verlässt das Verhör müde und geschlagen und übergibt Jonas an Rascher.

Tage später trifft sie sich mit ihren Vorgesetzen. Sie zieht gerade bei Mahler ein - jeder Mensch braucht Wärme. Auch sie. Was mit Jonas ist, fragt Rascher zuletzt. Und Vera antwortet, dass sie sich wieder sehen werden.

 

Nue Amman Alzbeta

Drama. Alzbeta glaubt an das Glück als Topmodel. Sie verlässt ihre vertraute Welt, erkämpft sich ihre Karriere und muss schmerzvoll erfahren, dass ihr Lebenstraum zum realen Albtraum wird.

Alzbetas Traum ist es Topmodel zu werden und dadurch die Enge ihrer Herkunft hinter sich zu lassen. Sie nimmt sie an einem Modelwettbewerb teil und reist ohne Wissen ihres alleinerziehenden Vaters, zur Endausscheidung. Mit dem Gewinn des Contests erlangt sie die Möglichkeit, bei der größten Agentur in Paris unterzukommen und als Model zu arbeiten. Als sie ihrem Vater den Erfolg strahlend präsentiert, reagiert er ablehnend, dennoch ergibt er sich schließlich mit gemischten Gefühlen ihrem Wunsch. Alzbeta reist ab, nimmt aber ein anhaltendes Schuldgefühl, ihren Vater verlassen zu haben, mit.

In Paris angekommen stürzt sich Alzbeta voller Herzblut ins Modelleben. Trotz der anfänglich mühsamen Schritte, lässt sie sich nicht entmutigen, sondern verfolgt mit großem Ehrgeiz ihr Ziel. Bei einem Gosee lernt sie den Fotoassistenten Hiskija kennen. Die beiden vereinbaren ein Testshooting und die daraus entstandenen Bilder verhelfen Alzbeta die Aufmerksamkeit der Agenturchefin, Claire, zu gewinnen. Alzbeta zieht bei Hiskija ein und sie werden ein Paar.

Gemeinsam mit dem Starvisagisten Esau beginnt Claire, Alzbetas Modelkarriere aufzubauen und ihren Charakter zu formen. Professionalität wird Alzbetas Credo. Emotionale und körperliche Schmerzen betäubt sie mit Drogen, an die sie durch Esau gelangt. So verwandelt sie sich in rasantem Tempo vom lauteren Landkind in ein erfolgreiches Topmodel mit allem was dazugehört.

Als Hiskija entdeckt, auf welche Weise sich Alzbeta ihre Karriere abtrotzt, bittet er sie dem Ganzen abzusagen. Doch die antrainierte Professionalität, sowie der Druck von Claire, lassen ihr keinen Raum zu sich zu finden. Hiskija verlässt sie. Dieser Bruch stürzt sie noch tiefer. Eine wichtige Show steht an, die sie nur durchhält, da Esau sie abermals versorgt. Alzbeta bricht nach der Show zusammen. Die Medien dokumentieren live ihren Kollaps. Sie ist am Ende ihrer Kräfte. Hiskija hilft ihr ein letztes Mal, bringt sie nach Hause, versorgt sie, dann geht er selbst.

Am nächsten Tag steht ihr Vater überraschenderweise vor ihrer Tür. Mit diesem Besuch ist Alzbetas vertrautes Leben, ihre Herkunft und Kindheit nach Paris gekommen. Alzbeta findet zu sich selbst zurück und kann einen neuen Weg wählen.

 

 

Preisträgerin

Nue Amman

BEGRÜNDUNG DER JURY Imponierend genau in Personen und Vorgängen, verflogt Alsbeta die Model-Träume einer jungen Frau zum bitteren Ende. Das Drehbuch überzeugt in der Schilderung eines schillernden Umfelds, das zugleich einsteht für allgemeine gesellschaftliche Verhältnisse. Obwohl ihre Geschichte in einem sehr vordergründigen Milieu spielt, gelingt es der Autorin, dass der Zuschauer der Hauptfigur mit Sympathie folgen wird. Eine teilweise überbordende Entwicklungsgeschichte, die einer möglichen Realisierung sehr nahe steht.

 

Jury: Kathrin Richter, Michael Verhoeven, Sven Burgemeister