Dies ist die Formel für eine "gotische" Liebesgeschichte:

 

 

Eine junge Frau, meistens eine Waise, hat niemand (mehr) auf der Welt. Sie begibt sich zu einem alten, abgelegenen Haus, um dort eine Stelle als Sekretärin, Erzieherin, Krankenschwester oder Reisebegleiterin eines Kindes oder einer älteren Person anzutreten. Alle in dem Haus wohnenden oder auftauchenden Menschen sind ihr unbekannt. In dem Haus trifft unsere Heldin eine Reihe verdächtiger Figuren (Personal, den Herren, die Dame des Hauses, meistens ihre zwei Söhne, Nachbarn) und findet sich bald von etwas Geheimnisvollem betroffen, das übersinnlichen oder natürlichen Ursprungs ist und meistens etwas mit dem Tod von jemand innerhalb des Hauses zu tun hat. Ohne sich erklären zu können, warum, wird sie das Ziel der Angriffe des übernatürlichen oder weltlichen Mörders. Oder sie hat von sich aus herumspioniert, um herauszufinden, was los ist, und so die Aufmerksamkeit des Mörders auf sich gelenkt. Zeitgleich entwickelt sich die Liebe unserer Heldin zu einem der jungen Männer in dem Haushalt oder dem Haushalt des Nachbarn. Oder zwischen ihr und dem Hausherrn, wenn dieser ein Junggeselle oder Witwer ist. Entweder ist dieser Mann die einzige Person, der sie im Hinblick auf das, was sich sonst an Unheimlichem entwickelt, vertrauen kann – oder er gehört ebenfalls zu den Verdächtigen. Ist er der einzige, in den die verliebt sein kann, sollte er sich immer als die gute Person erweisen, als die sie sich ihn vorgestellt hatte. Denn das Ende einer gotischen Liebensgeschichte muss immer die Erfüllung einer echten Liebe zwischen Heldin und Held in Aussicht stellen. Gibt es zwei gut aussehende Männer, ist es gut, die Heldin sich in den einen verlieben zu lassen, während der andere ihr Angst einjagt, die Handlung dann aber so zu wenden, dass der von ihr Bevorzugte sich als Mörder herausstellt, während der Mann, vor dem sie Angst hat, sich als derjenige bewährt, dem es wirklich um sie geht. Dies ist ein alter „gotischer“ Trick, der niemals seine Wirkung zu verlieren scheint, egal wie oft man sich seiner bedient.

 

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