Tankred Dorst-Drehbuchpreis für den Jahrgang 2006/07

 

Nominierungen

 

Barry Hamilton Reif für die Insel

Was ist Shinty? Was ist Drambuie? Gibt es Feen wirklich? Alles Fragen, mit denen sich der schöngeistige Buchhändler Fergus Sondermann nach dem Tod seiner Mutter beschäftigen muss. Denn er erfährt, dass sein Vater nicht gestorben ist, sondern auf einer kargen schottischen Insel lebt.  Dort findet er ihn zwar, doch der Vater – ein raubeiniger, verstockter Fischer - will erstmal nichts von ihm wissen. Aber Fergus kämpft um ihn. Schließlich finden sie zueinander, obwohl sie sich und ihre Liebe längst verloren glaubten.

 Fergus Sondermann ist Ende Zwanzig und arbeitet als Verkäufer im schicken Buchladen seiner Mutter. Nach ihrem Tod findet er heraus, warum er wirklich einen schottischen Vornamen hat: Sein Vater (Stewart O’Hagan) ist nicht, wie er glaubte, kurz vor seiner Geburt gestorben, sondern noch am Leben. Er ist Schotte und wohnt auf einer kargen, schottischen Insel mitten im rauen Ozean. Nachdem der Buchladen Konkurs geht und Fergus' Freundin (Felizia Knecht) ihn verlässt, beschließt er auf die Insel zu reisen, um seinen Vater zu suchen. Dummerweise gibt es auf der Insel nicht nur einen O'Hagan, was die Suche nach dem Vater erschwert. Zum Glück trifft er bald auf die eigenwillige und geheimnisvolle Fiona McLeod, die ihm ein bisschen auf die Sprünge hilft. Letztlich muss er eine bittere Pille schlucken: Sein Vater ist ein alter, stinkender Fischer, der auf seinem rostigen Boot, wie ein Einsiedler lebt. Größer könnten die Welten nicht sein, die hier aufeinander treffen. Trotzdem versucht Fergus das Herz des sturen und harten Mannes zu gewinnen, der am Anfang nichts mit seinem Sohn zu tun haben möchte. Damit beginnt sich zwischen ihnen ein archaischer Vater-Sohn Konflikt zu entfalten, der, ob auf tubulenter See oder bei einem gemeinsamen Bier, viele lehrreiche Momente für beide Männer birgt. Fergus geht sogar soweit, dass er der Shinty-Mannschaft (eine ziemlich raue und harte schottische Sportart) beitritt, um seinen Vater zu beeindrucken. Zudem verlieben sich Fiona McLeod und Fergus in einander. Durch Fiona McLeod und seine Erlebnisse mit ihr entdeckt er neue Seiten seines Selbst, die ihm bis dahin verborgen waren. Stück für Stück merkt Fergus dadurch, dass ein Teil von ihm zu dieser kargen, unwirschen Insel gehört. Alles scheint gut zu laufen, aber plötzlich will Stewart O'Hagan doch nichts mit seinem Sohn zu tun haben. Fergus erfährt, dass er nie eine Familie haben wollte und schon gar keinen Sohn. Dann taucht auch noch Felizia Knecht auf der Insel auf, um ihren Exfreund zurückzuerobern. Fergus verliert wieder sein frisch gewonnenes seelisches Gleichgewicht und will die Insel zusammen mit Felizia Knecht verlassen. Er entscheidet sich jedoch letztlich zu bleiben und geht zu Fiona McLeod zurück. Zum ersten Mal in seinem Leben trifft er eine wahrhaft selbstständige Entscheidung. Fergus gelangt so auf den Weg zu seiner „Vervollkommnung“ als Mann und als Mensch. Stewart O'Hagan kommt zu Fergus und bittet ihn auf seine rüde, indirekte Art um Verzeihung. Mit ihm und Fiona McLeod findet Fergus also am Ende nicht nur seinen Platz in der Welt, sondern eine „Familie“ – etwas, das er für immer für verloren geglaubt hatte.

 

Marianne Wendt Hälfte des Lebens

Ost-Berlin 1986. Die allein erziehende Maike gerät durch die Bekanntschaft mit einem Westberliner in die Mühlen der Staatssicherheit. Als sie versucht, sich durch Flucht den Repressionen zu entziehen, bleibt ihr Sohn im Osten zurück.  Die Staatssicherheit beginnt, Maike zu erpressen. Wenn sie ihr Kind wieder sehen will, muss sie den Mann verraten, den sie liebt.

 Ost-Berlin 1986. Die allein erziehende Maike (30) hat sich gut eingerichtet in der DDR: Gemeinsam mit ihrem Sohn Paul (9), und Plattenwand an Plattenwand mit ihrer besten Freundin Ute (34) genießt sie ihre kleinen Freiheiten. Als Maike den Westberliner Peter (34) kennen lernt und sich verliebt, bleibt sie Realistin: Ihre Liebe hat keine Chance.

Was Maike nicht ahnt: Da Peter in Westberlin für die Alternative Liste arbeitet und Kontakte zu ostdeutschen Umweltgruppen hat, versucht die Staatssicherheit ihn abzuschöpfen. Da Maike sich weigert, zu „kooperieren“, gerät sie in einen Alptraum.

Im Betrieb wird sie kompromittiert, ihr wird ein Diebstahl untergeschoben, ihr Sohn muss die Schule wechseln. Schließlich begreift Maike, dass ihr Vertrauter Kleinert (36), der Bruder ihrer besten Freundin, für die Stasi arbeitet. Maike gelingt die überstürzte Flucht in den Westen, dabei ist sie gezwungen, ihren Sohn zurücklassen. Maike hofft auf eine schnelle Familienzusammenführung.

Euphorisch begrüßt Peter Maike in Westberlin. Doch die neue Liebe wird auf eine harte Probe gestellt: Die Westberliner Behörden helfen Maike nicht bei der Suche nach Paul. Endlich erhält sie ein erstes Lebenszeichen – ausgerechnet aus der Hand von Offizier Kleinert. Dieser beginnt, Maike zu erpressen. Nur, wenn sie endlich Berichte über Peter liefert, wird sie ihren Sohn wieder sehen. Verzweifelt lässt sich Maike auf das „Geschäft“ ein. Paul wird ohne ihr Wissen in der DDR zwangsadoptiert. Maike erfährt davon erst, als sie den Kontakt zu Kleinert abbrechen will. Ihr Verrat war umsonst. Maike versinkt in eine tiefe Lethargie, und so vergehen die Wochen bis zum 9. November 1989.

Noch in der Nacht des Mauerfalls beginnt sie, nach ihrem Sohn zu suchen. Was Maike herausfindet, trifft sie tief: Keiner ihrer Briefe ist je bei Paul angekommen – und die Briefe, die sie erhielt, waren alle von Kleinert geschrieben. Als Maike endlich vor ihrem Sohn steht, weigert sich dieser, mit ihr zu reden: Sie hat ihn schließlich verraten. Maike offenbart Peter, dass sie ihn bespitzelt hat. Ihre Beziehung scheint am Ende. Sie steht vor einem Scherbenhaufen. Doch Maike will noch eine Chance vom Leben.

 

Lola Randl Das Paar und die Frau

Eine junge Frau fasst den Plan, ihren Freund mit einer äußerst wohlhabenden, jedoch unheilbar kranken Frau zu verkuppeln, um sie nach ihrem baldigen Tod zu beerben. Ihr Plan geht auf, doch dann stellt sich heraus, dass sie nicht die einzige war, die Pläne im eigenen Interesse gemacht hat.

EMILY - eine verführerische, verwöhnte junge Frau, die den leidenschaftlichen Wunsch hat, origineller als die anderen zu sein und die nichts mehr ängstigt als der Gedanke an die Bedeutungslosigkeit des eigenen Lebens.

DANIEL - ein intelligenter, charmanter junger Mann, der, wenn ihn seine Freundin Emily nicht davon abhält, eifrig für sein Examen lernt.

AMINE VON KIRSCH - eine schwer kranke, reiche Frau, die sich entschieden hat, ihrem Leben ein Ende zu setzen und damit ihr Leiden zu verkürzen.

Bei einem Ausflug ins Grüne findet das junge Paar Amine, die sich mit Tabletten vergiftet zum Sterben an einen See zurückgezogen hat. Die Beiden bringen sie ins Krankenhaus und retten so ihr Leben.

Emily, die gerade die Rolle der Selbstmörderin für die Schauspielprüfung übt, besucht wenige Tage später Amine in deren Villa am Stadtrand und recherchiert am lebenden Objekt. Die Unbekümmertheit, mit der Emily das Haus in Beschlag nimmt und in das Leben der kultivierten Langeweile einbricht, gefällt Amine.

Als Emily bei der Schauspielprüfung durchfällt, fasst sie einen Plan: Daniel soll Amine in sich verliebt machen, sie heiraten und dann beerben, damit Emily und Daniel anschließend ein unbeschwertes Leben führen können. Daniel lehnt empört ab, weshalb ihm Emily eine Lektion erteilen will und sich einem Theaterregisseur an den Hals wirft.

Nach bestandenem Examen vermisst Daniel Emily sehr. Um sie zurück zu gewinnen macht er sich nun doch mit Amine bekannt. Diese weiß längst über Daniel und Emily Bescheid, stellt sich ihm gegenüber jedoch ahnungslos.

Daniel und Amine fühlen sich mehr und mehr voneinander angezogen. Sie heiraten.

Als Emilys Beziehung zum Regisseur scheitert, will sie zu Daniel zurück. Überrascht stellt sie fest, dass er ihren Plan umgesetzt und sie ihren Freund an Amine verloren hat. Mit verführerischem Charme drängt sie sich in das Leben der Villa, doch gelingt es ihr nicht, das neue Paar zu trennen. In letzter Verzweiflung versucht sie Amine umzubringen. Als Emily auch dabei scheitert, gibt sie auf und sucht das Weite.

Doch eines Tages steht Amine vor ihrer Tür. Amine und Daniel wollen ein Kind, aber Amines Körper ist dazu nicht fähig; sie brauchen eine Leihmutter. Emily wird nun mit offenen Armen in der Villa empfangen und erlangt durch das in ihr wachsende Kind wieder die Macht über das Spiel, das bereits endgültig verloren schien.

Am Tag der Geburt der gemeinsamen Tochter aller drei stirbt Amine, und die neue Kleinfamilie erbt ihr gesamtes Vermögen.

 

 

Preisträgerin

Marianne Wendt

Begründung der Jury Die Autorin nimmt sich in ergreifender Weise des Schicksals einer allein erziehenden jungen Mutter zwischen dem Ost- und Westdeutschland der 80er Jahre an und schafft die Voraussetzung für eine großes Kinoerlebnis.

 

Jury: Barbara Häbe, Liliane Targownik, Quirin Berg