Tankred Dorst-Drehbuchpreis für den Jahrgang 2002/03
Nominierungen
Florian Hanig Folgeschäden
Wie gut kennt man die Menschen, denen man am nächsten steht? Eine Familiengeschichte in den Zeiten der Terrorangst.
Es ist eine Multikulti-Modellfamilie: der pakistanische Doktorand Tariq Azmi, seine deutsche Frau Maya, Art Directorin bei einem Magazin, ihr aufgeweckter kleiner Sohn Sharukh. Religiöse und kulturelle Differenzen (er ist moderater Muslim, sie hat lange keine Kirche mehr von innen gesehen) meistern sie mit Humor und gutem Willen. Als Wissenschaftler an einem Tropeninstitut steht Tariq kurz vor dem großen Erfolg. Er hat einen Impfstoff für Ebola entwickelt.
Die heile Welt bekommt Risse, als eines Tages zwei Polizisten in Mayas Büro auftauchen und sie über ihren Mann ausfragen. Da er auf der Hochzeit eines der 9/11-Piloten gefilmt wurde, könnte er ein „Schläfer“ sein, ein Terrorist auf Abruf.
Maya weist diesen Verdacht weit von sich, doch als kurz darauf Tariqs Bruder aus Pakistan auftaucht, wird sie unsicher, besonders weil ihr Tariq Sachen vorenthält, mit denen er sie nicht belasten möchte, zum Beispiel, dass ihm die Amerikaner das Visum für eine wichtige Konferenz verweigert haben.
Als nach einer Inventur im Tropeninstitut Ebola-Viren fehlen, erhält Tariq sogar Laborverbot. Der junge Pakistani spürt, wie ihm erst Nachbarn, dann sein Doktorvater und zum Schluss sogar seine Frau das Vertrauen entziehen.
Nur sein Bruder gibt Tariq Halt und weist ihm einen Weg. Doch der führt immer weiter weg von Maya. Werden die beiden es schaffen?
Joachim Schönig Sommertheater
SHAKESPEARE IN LOVE... made in Germany –
Goethes Lebensgefährtin Christiane Vulpius verführt Friedrich von Schiller
und verhilft diesem damit zu neuer künstlerischer Kraft.Romantic-Comedy und historischer Fantasy-Comic zu den Schillerjahren 2005/2009. In der Art von Shakespeare in love. Angeregt durch eine tatsächlich stattgefundene Begegnung:
Ein heißer Sommer 1803. CHRISTIANE VULPIUS, ist seit 15 Jahren die Lebenspartnerin JOHANN WOLFGANG VON GOETHEs. Wütend wegen dessen "Affären" mit anderen Frauen
sinnt sie auf Rache und hat eines Nachts einen Traum...Zusammen mit einer Schauspielerfreundin plant sie im Bad
Lauchstädter Theatersommer des Weimarer Ensembles, den schüchternen FRIEDRICH VON SCHILLER zu verführen.Da Goethe Christianes Interesse eher beim neuen jungen Kutscher vermutet, schickt er ausgerechnet den zaudernden Schiller als "IM" ins Kurbad, um Christiane zu beschatten. Schiller ist allerdings schon vor der Reise mit den Nerven am Ende, verzehrt er sich doch nach Christianes Freundin CAROLINE, der Maitresse des Weimarer Herzogs.
Christianes furiose Verwechslungs-Intrige scheitert. Statt wie geplant bei ihr, erwacht der entsetzte Schiller im Bett eines jungen weiblichen Fans. Blamiert und von schlechtem Gewissen gepeinigt sinkt der verklemmte Dichter todkrank danieder und verweigert das Essen.
Nun schlägt Christianes Stunde doch. Die Frau aus dem prallen Leben verführt den kränkelnden Schiller zu einem opulenten Mahl. Und – Liebe geht durch den Magen – die beiden finden nun tatsächlich mit Leib und Seele zueinander. Was endlich auch den eifersüchtigen Goethe dazu treibt, seine hochfliegende, aber bei Akteuren und Aktricen verhasste Weimarer Theaterreform zu vergessen und verkleidet ins Kurbad zu eilen.
Kurz bevor alles auffliegt, kann die clevere Christiane ihren geliebten Schiller, mit einem fingierten Amtschreiben aus der Gefahrenzone bugsieren.
Goethe und Schiller klären die Sache zwar in einem giftigen Wortgefecht, scheitern anschließend aber kläglich an einem Duell, weil Goethe die Pistolen zu Hause vergisst...
Geläutert durch die Eifersuchtsqualen, akzeptiert Goethe schließlicht Christianes Lehre und Credo, dass auch eine Frau »...so viele Lieben haben darf, wie ihr Haus Türen hat...«
Christiane genießt Goethes neu erwachte Liebe und Anerkennung.
Schiller, zu Beginn des Films ein gehemmter Langeweiler, erblüht als Dichter neu und schreibt ein letztes, endlich wieder sprühendes Werk. In Hoffnung auf ewiges Glück hat sich am Ende auch ein junges Liebespaar gefunden, dem die Untiefen des Beziehungsalltags, welche Schiller und Christiane gerade heil umschifft haben, natürlich noch bevor stehen.
Alles in historischen Kostümen und dennoch!...
Eine Beziehungskomödie, modern, romantisch und ab und an auch ziemlich deftig. Nach Schiller in den wichtigsten Rollen: Drei Frauen im Alter zwischen 17 und 38.
Ein Märchen, mit Christiane Vulpius als traumhafte Siegerin, im Spiel um theatralische Action, weibliche Intuition und die Liebe.
Ein Comic der die weltbekannten Superhelden der deutschen Kultur, die Dichterfürsten und Theaterreformatoren Schiller und Goethe augenzwinkernd demontiert, ihnen aber auch menschliche Seiten abgewinnt.
Der Film für die Schillerjahre 2005/2009 (200. Todestag/250. Geburtstag), zu drehen im auch heute noch unveränderten historischen Ensemble von Bad Lauchstädt (Sachsen Anhalt), an dessen Ende Schiller das Image des staubtrockenen Moralapostels für immer verloren hat.
Beatrice Meier 13 oder Lolly Müllers Plan vom Glück
Lolly Müller, ein sehr abergläubisches hübsches Persönchen Mitte 20, fasst den Entschluss, am nächsten Freitag den 13. ein Dinner zu organisieren – mit 13 Personen. Eine poetische Komödie, die die ewige Frage nach Zufall, Entscheidung und Fügung aufwirft... und den Glauben an das Leben einfängt.
Eigentlich geht alles in Lolly Müllers Leben seinen ruhigen verträumten Gang. Mit ihrer feenhaft-versponnenen Aura verzaubert sie die gesamte Kundschaft ihres urigen Blumenlädchens. Manchmal, da empfiehlt sie Tulpen. Denn Lolly ist felsenfest davon überzeugt, dass Tulpen gebrochene Herzen heilen können. Und wenn ihr eine schwarze Katze über den Weg läuft, von links nach rechts, dann weiß sie, dass das Unglück bringt, aber dann wartet sie, wartet, bis jemand anders vorbeigeht. Damit, so hat sie’s von ihrer Oma gelernt, kann man das drohende Unheil nämlich abwehren. Abwehrzauber nennt man so was. Eine praktische Sache. Denn Lolly... ist SEHR SEHR abergläubisch.
BIS, ja bis eines Tages die geliebte Oma – entgegen aller abergläubischen Rituale – spektakulär das Zeitliche segnet und Lolly darüber hinaus ihren Freund mit einer anderen erwischt... Lolly trifft eine Entscheidung. Sie will nicht mehr glauben: nicht mehr an die wahre Liebe, inklusive Monogamie, und vor allem nicht mehr an den Aberglauben. Ab jetzt nur noch nackte Tatsachen. Ihre „Prüfung“: ein Dinner mit dreizehn Personen, am nächsten Freitag den 13. - inklusive Oma, pardon: URNE der Oma.
Mit dieser Entscheidung und ihrem „tapferen“ Ringen gegen den Abwehrzauber (nein, jetzt wartet sie nicht mehr, wenn ihr eine schwarze Katze über den Weg läuft...!), fordert Lolly Müller nicht nur ihr eigenes Leben heraus: Schlag auf Schlag kreuzt sie allerlei kuriose Personen und löst eine turbulente Kette von abstrusen Zu- und „Unfällen“ aus, die sich letztlich jedoch alle – durch ihr zauberhaft-beseeltes Einwirken - als die schönsten Glücksfälle erweisen... naja, FAST alle.
Nur mit dem eigenen Glück, da tut sie sich schwer. Es kommt in Gestalt von Milan Grothen. Seines Zeichens „Seelen-Forscher“ und: mit geradezu teuflischem Charisma der Sinnlichkeit des Seins verschrieben. Garantiert nicht monogam. Sex ohne Liebe... Genau das, was Lolly doch sucht, oder? Wenn da nicht die Liebe wäre... Am Ende flüchtet sie gar wieder in die „sichere“ Welt des Aberglaubens. Alles für die Katz? Nicht ganz: Denn... das „Schicksal“ will es, dass ihre neuen Freunde tapfer eingreifen!
Eine „leicht-sinnige“ Comédie mit philosophischen Zwischentönen in Moll, orchestriert von der feenhaften Aura der Hauptfigur und der knackigen Skurrilität der Nebenfiguren.
Es treten auf:
eine Urne mit Holzasche, ein Seepferdchen, eine flotte Elsässerin mit „ohne Selbstmordabsichten“, ein Herr Gott, der lieber an die irdische Liebe glaubt, 12 rote Rosen, 3 Regenschirme, ein Schwuler, dessen Geburt auf das Konto einer Samenbank geht, ein Wetterfrosch-Experte, der noch „wachgeküsst“ werden muss, ein Blinder und eine Taube auf einem Tandem, ein Photo von Elvis und Marilyn, 3 Spiegel, ein schöner Po, 4 schwarze Katzen u.v.a.
Jutta von Stieglitz Der kurze Sommer der Liebe
Verrückt vor Liebe. Klingt schön. Doch wenn man wirklich verrückt wird, sieht die Welt gleich ganz anders aus. Davon erzählt die Geschichte: „Der kurze Sommer der Liebe“.
Manfred (45) arbeitet, wie viele ehemalige Uranbergarbeiter, im Straßenbau. Mit seiner Frau Marianne (40) und seinen beiden Söhnen Max (14) und Rudi (17) führt Manfred ein eingespieltes Familienleben.
Während der jährlichen Krebsvorsorgeuntersuchung begegnet er Ingrid (42), die in der Krankenkasse als Sachbearbeiterin in Schlema (sächsisches Vogtland) arbeitet. Tage zuvor ist sie Manfred schon durch ihre freche Berliner Schnauze aufgefallen. Manfred wird neugierig, lernt sie kennen und beginnt eine Affäre mit Ingrid. Von ihrem Charme und ihrem Freigeist angezogen, lernt Manfred eine neue Welt kennen. Diese Begeisterung bekommt die ersten Schrammen, als Manfred entdeckt, dass Ingrid noch andere Liebhaber hat, von denen sie nicht ablassen will.
Mit allem Elan versucht Manfred Ingrids Herz zu erobern, aber erfolglos. Doch Manfred kann nicht mehr davon lassen. Nach und nach gibt er alles dafür auf, erst seine Arbeit und dann seine Familie. Besessen vor Liebe verwahrlost Manfred und verliert jeglichen Kontakt zu Ingrid, zu seiner Umwelt. In seiner Einsamkeit und Verzweiflung schmiedet er den Plan, Ingrid zu entführen.
Preisträger
Florian Hanig Folgeschäden
Begründung der Jury: "In seinem Drehbuch Folgeschäden dramatisiert Florian Hanig in überzeugender Weise die Auswirkungen des 11. Septembers auf den Stimmungsort Deutschland. Zeitnahe Inhalte wurden genau ermittelt, wirkungsvoll zum Einsatz gebracht und bereichern so das allgemeine Thema menschlicher Beziehung und ihrer Bedrohung durch lauernde Fremdheit um eine fesselnde, aktuelle Variante."
Jury: Hubert von Spreti (Bayerischer Rundfunk), Tankred Dorst, Sabine Holtgreve (SWR), Friedrich Ani (Schriftsteller)