Tankred Dorst-Drehbuchpreis für den Jahrgang 2001/02

 

Nominierungen

 

 

Alexander Kaffenberger Jagdbitter

Graf zu Wallbach verkauft seine Wälder an die Staatliche Nationalparkverwaltung. Seine Forstarbeiter und Waldbauern, aber auch Wild- und Holzdiebe bangen um ihre Existenz. Nur die Liebe kann den Veränderungen trotzen. - Moderner Heimatfilm.

 Der 26jährige Adam bewirtschaftet mit seiner Mutter das alte Hofgut derer zu Wallbach. Als der Graf seine gesamten Güter an die Staatliche Nationalparkverwaltung veräußert, bangt nicht nur Adams Mutter um die Existenz. Im Rahmen der Übergabe kommt die frisch gebackene Veterinärin Jessy nach 14 Jahren wieder in das Dorf ihrer Kindheit. Sie begegnet dem Schulkameraden Adam - und ihrem Vater, dem Gräflichen Revierförster, der Holzschiebereien und Steuerhinterziehungen seines Dienstherrn vertuscht. Jessy fallen Artenschutzdelikte und Fehlbestände im Gräflichen Wildpark auf. Um sich bei ihr lieb Kind zu machen, verfolgt Adam die Spur möglicher Täter, stößt auf Wilderer, Tierpräparatoren, Holzdiebe, einen Sägewerksbesitzer - und den Grafen. In den Augen der Welt aber wird er dadurch zum Hauptverdächtigen. Selbst Jessy hat ihre Zweifel, ist aber von seiner Geradlinigkeit beeindruckt. Im Unklaren über die zentrale Rolle ihres Vaters, will sie Adam bei der Beweissicherung helfen. Dabei kommen sie sich endlich näher. Als ihrem Geliebten ein Mord in die Schuhe geschoben werden soll, liefert Jessy das Alibi – und dadurch unwissentlich ihren Vater ans Messer.

 

Michael Wildenhain Ins Offene

Anfang der 80er Jahre besetzen Frank Berberich und Khaled Jaafer gemeinsam ein Haus. 20 Jahre später ist Frank Polizist und stellt fest, dass Khaled Mitglied der Revolutionären Zellen war und einen Richter erschossen hat. Frank muss entscheiden, was schwerer wiegt: die frühere Freundschaft oder seine Pflicht als Polizeibeamter.

Frank Berberich und Khaled Jaafer, der die ersten Jahre in Beirut verbracht hat, sind seit der Schulzeit in Berlin die besten Freunde. Zusammen mit Senay Beyaztepe, Franks kurdischer Freundin, besetzen sie 1981 ein Haus in Westberlin. Dem überschwänglichen Aufbruch folgt die baldige Räumung durch die Polizei.

Bei der anschließenden Demonstration werden Khaled und Senay verhaftet, weil Frank ihnen nicht rasch genug beisteht. Als Senay verurteilt und in die Türkei abgeschoben wird, beendet Khaled die Freundschaft mit Frank brüsk. Frank, der damit nicht klarkommt, wird krank und verlässt Berlin.

Zwanzig Jahre später stößt Frank, inzwischen beim Landeskriminalamt in Berlin, durch Zufall erneut auf den früheren Freund. Im Zuge von Ermittlungen, die eigentlich gegen radikal-islamistische Strukturen gerichtet sind, muss Frank erkennen, dass Khaled nicht nur Mitglied der Revolutionären Zellen gewesen ist, sondern sehr wahrscheinlich auch einen hochrangigen, für Asylverfahren zuständigen Richter erschossen hat. Es ist derselbe Richter, der Senay 1981 verurteilt und abgeschoben hat.

Mit sich uneins und innerlich zerrissen behält Frank seinen Verdacht für sich, statt ihn Tanja Sewering, einer ihm beigeordneten Beamtin des Bundeskriminalamts, mitzuteilen. Er besucht Senay, die längst wieder in Berlin ist, und erfährt, dass sie in der Türkei gefoltert wurde. Nach dem Treffen weiß Frank erst recht weder ein noch aus, zumal sich Khaled während der Jahre um Senay gekümmert hat.

Er sucht Khaled auf, der, obwohl schon fast auf der Flucht, lange mit dem Freund von früher redet. Nur zu gern würde Frank glauben, was der einstige Weggefährte beteuert: Er, Khaled, sei an den zentralen Aktivitäten der Revolutionären Zellen kaum beteiligt gewesen. Aber dann verrät Khaled sich im Verlauf der Nacht. In dem Moment, als Frank den Tatsachen ins Auge blicken muss, kann Khaled Jaafer flüchten.

Der Film endet, wo er begonnen hat: Im Grenzgebiet zwischen der Schweiz und Italien. Dort sind die Freunde als Jugendliche Ski gelaufen, und dort, in den Bergen, kann Frank Khaled noch einmal stellen. Als Tanja Sewering, die junge und beharrliche Polizistin, auftaucht, muss Frank sich endgültig entscheiden. Am Ende ist er tot und Khaled ist entkommen.

 

Daniel Wolf Zores

Jüdischer Caterer zieht unfreiwillig Vorteil aus der nicht-verarbeiteten Vergangenheit seiner deutschen Kunden

Der Jude Leo Rosen ist nicht gerade vom Erfolg verwöhnt. Unzählige Studien abgebrochen, diverse Versuche als Unternehmer ein Bein auf den Boden zu kriegen – all das ist kläglich gescheitert. Finanziell kommt er dadurch über die Runden, dass ihm seine Mutter immer wieder was zusteckt. Außerdem bekommt er eine geringe Aufwandsentschädigung dafür, dass er die Jugendmannschaft eines jüdischen Sportclubs trainiert. So ist er inzwischen 35 Lenze alt geworden und lebt bei Mama. Die weiß nicht, dass Leo unsterblich in Claire verliebt ist, eine russische Jüdin, die seit 10 Jahren mit ihrem wesentlich jüngeren Bruder in München lebt. Bisher hat sich Leo noch nicht getraut ihr seine Gefühle zu gestehen, aus Angst sie könne ihm einen Korb geben. Dabei hätte er Claire am liebsten die ganze Zeit um sich. Da bietet sich ihm zufällig eine Chance hierzu. Der in geschäftlichen Dingen eher unbedarfte Leo kann einen Staatssekretär überzeugen, ihn mit dem Catering des bevorstehenden Sommerempfanges der Staatskanzlei zu beauftragen. Das Besondere daran – Leo wird ausschließlich jüdische Speisen darreichen. Er bietet Claire, die gerade arbeitslos ist, einen Job an, was daran scheitert, dass sie bereits auf Leos erstes zaghaftes Liebeswerben einsteigt, aber nun nicht mehr bereit ist für oder mit ihm zu arbeiten (niemals privates mit geschäftlichem mischen lautet ihre Devise). Leider lässt sich der Staatssekretär nicht überzeugen, die Sache abzublasen. Leo hat keine Ahnung, wie er den Auftrag alleine abwickeln soll, aber schließlich gelingt es ihm, seine Mutter zum Kochen zu überreden, und er stellt er ihr einen älteren skurrilen Wiener Koch als Hilfe zur Seite. Das nächste Problem gestaltet sich etwas schwieriger, denn die Bank will ihm kein Geld geben. Doch als der Filialleiter ohne Leos Absicht mitbekommt, dass das zu finanzierende Projekt im Zusammenhang mit jüdischem Essen steht, „überredet“ er den Kreditsachbearbeiter, dass er den Kredit erhält. Man verspricht sich durch die Unterstützung des Juden Leo eine Imageverbesserung. Claires jüngerer Bruder droht durchzufallen. Leo, der durch die Sache in der Bank erkannt hat, dass das Wort „jüdisch“ eine scheinbar magische Wirkung hat, versucht die Lehrerin durch den Vorwurf des Antisemitismus dazu zu bringen, den Jungen nicht durchfallen zu lassen. Zu dumm, dass sie selbst Jüdin ist. Claire ist sauer auf Leo, der nun wirklich alleine schauen kann, wie der das Fest über die Bühne bringt. Zu allem Überfluss erleidet seine Mutter einen Herzinfarkt, und als am nächsten Tag schließlich das Büffet auf dem Sommerfest aufgebaut ist, stellt sich heraus, dass das Essen verdorben ist.  Alles scheint verloren, doch keiner der Anwesenden geht auf Leos Entschuldigung ein. Sie hören ihm nicht mal zu, sondern finden das Essen großartig, jedenfalls behaupten sie das. Denn sie würden sich niemals trauen, über jüdisches Essen öffentlich etwas schlechtes zu sagen. Das hindert sie freilich nicht daran, hinter vorgehaltener Hand über das perfide Vorgehen Leos zu lästern: Das sei mal wieder typisch, insgeheim lacht er sie bestimmt aus, denn er wüsste natürlich, dass sie aufgrund der Geschichte verdammt seien, dieses grausige Zeug zu essen. Jeder neue, völlig ernsthafte Versuch Leos sich zu entschuldigen, bestätigt sie in ihrer Haltung. Durch einen TV-Bericht, in dem sich alle lobend über das Essen äußern, wird die Öffentlichkeit auf das Angebot aufmerksam, und so steht das Telefon bei Leo nicht mehr still. Er bekommt unzählige Aufträge. – Von nun an arbeitet er und Claire zusammen, ganz so wie Leo es von Anfang an wollte.

 

Friedl Wolffhardt Mali

Märchenhafte Freundschaft zwischen einem zehnjährigen Mädchen und einem vierzigjährigem Erfinder. Ein Film über Träume, die manchmal in Erfüllung gehen.

 

Über Malis alter Matratze in der stillgelegten Papierfabrik hängt ein Poster mit Delfinen, Malis Lieblingstiere, mal abgesehen von Kassiopeia, Malis blinde Schildkröte, die sie überall hin mitnimmt. Mali ist zehn Jahre alt, ihre Mutter ist vor vielen Jahren ausgewandert, ihr Vater trinkt und wird aggressiv. So treibt sich Mali mit ihrem Freund Schmuddel  nur in der alten Fabrik herum.

Malis kleine zerbrechliche Welt wird erschüttert, als der vom Leben enttäuschte 40-jährige Lukas in die Fabrik einziehen will. Als er Mali entdeckt, verjagt er sie.

Aber Mali bleibt stur und lässt sich nicht verjagen. Als Malis Vater betrunken in die Fabrik kommt und Mali verprügeln will, greift Lukas ein. Langsam schließen die beiden eine ungewöhnliche Freundschaft.

Von Malis Lehrerin erfährt das Jugendamt, dass Mali in einer Fabrik wohnt, Mali wird nach der Schule in ein Kinderheim gebracht, von dem sie allerdings bald wieder wegläuft, zurück in die Fabrik zu Lukas. Als Malis Vater kurz darauf im Krankenhaus an seiner Alkoholsucht stirbt, läuft Mali wieder weg, streunt durch die Stadt und wird nachts von der Polizei aufgegriffen. Auf der Wache behauptet Mali, Lukas sei ihr Vater, der unterschreibt schließlich für sie und nimmt sie mit zurück in die Fabrik, nicht ohne ihr Vorwürfe zu machen.

Als Lukas neue Pläne wieder scheitern, betrinkt er sich hoffnungslos, Mali ist entsetzt, weint und denkt, sie sei an allem Schuld. Lukas erfährt, dass die Fabrik verkauft wurde und er ausziehen muss. Erst jetzt merkt Lukas, dass Mali weg ist, sie hat sich auf einen Güterzug gesetzt und will mit ihrer Schildkröte einfach nur weit weg. Im letzten Moment erreicht Lukas den Zug.

 

 

 

 

Preisträger

 

1. Preis Michael Wildenhain Ins Offene

2. Preis Daniel Wolf Zores

 

 

 

Jury: Molly von Fürstenberg (Filmproduzentin), Tankred Dorst, Prof. Andreas Gruber (Hochschule für Fernsehen und Film), Dr. Gabriela Sperl (Bayerischer Rundfunk)