Prof. Peter Mäthesheimer

 
War 15 Jahre Dramaturg beim Westdeutschen Rundfunk und bei der Bavaria, unter anderem für die Stücke SMOG, MILLIONENSPIEL, ACHT STUNDEN SIND KEIN TAG, EIN HERZ UND EINE SEELE und BERLIN ALEXANDERPLATZ   Frankfurter Allgemeine vom 20. Juli 2004

 

Drehbuchautor Peter Märthesheimer gestorben


20. Juni 2004 Kurz vor der Verleihung des Deutschen Filmpreises ist der Drehbuchautor und Filmproduzent Peter Märthesheimer am Freitag im Alter von 66 Jahren in Berlin gestorben.

Märthesheimer starb nach Angaben eines Sprechers der Bavaria Film während einer Sitzung der neu gegründeten Deutschen Filmakademie, die künftig den Deutschen Filmpreis vergibt. Nähere Angaben zu den Umständen seines plötzlichen Todes gab es nicht.

Märthesheimer war einer der wichtigsten Autoren vor allem der 70er Jahre in der Bundesrepublik. Für seine Arbeiten erhielt er unter anderem zwei Grimme-Preise (1973, 1981) und eine „Goldene Kamera“ (1978). Er lebte in der Nähe von München.

Der in Kiel geborene Autor und Dramaturg gehörte zur „Drehbuchwerkstatt München“ und arbeitete unter anderem mit Rainer Werner Fassbinder zusammen. Für ihn schrieb er die Drehbücher zu den Filmen „Die Ehe der Maria Braun“, „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ und „Lola“. Auch bei der TV-Serie „Acht Stunden sind kein Tag“ und „Berlin Alexanderplatz“ war er Fassbinders wichtiger Mitarbeiter.

„Außergewöhnlich kreativ“

Der Intendant des Westdeutschen Rundfunks, Fritz Pleitgen, würdigte Märthesheimer in einem Nachruf als „herausragenden Drehbuchautor“ und „außergewöhnlich kreativen und liebenswürdigen Menschen“, der den deutschen Film in besonderer Weise geprägt habe. Mit seinen Produktionen habe er beim WDR künstlerisch neue Maßstäbe gesetzt und gesellschaftliche Diskussionen ausgelöst.

Für den WDR produzierte Märthesheimer neben „Berlin Alexanderplatz“ unter anderem mit Wolfgang Menge das fiktive Dokudrama „Smog“ (1973) und das „Millionenspiel“. Die beklemmend realistische Fernsehsatire auf die Menschen verachtende Sensationsgier erregte 1970 großes Aufsehen. Zu seinen weiteren Drehbüchern gehört auch das vierteilige Zeitbild „Radiofieber“ mit Geschichten von Menschen, deren Schicksal sich zwischen 1923 und 1933 auf unterschiedliche Weise mit dem neuen Medium verband. Außerdem schrieb er Drehbücher etwa für die „Tatort“- Folge „Das Mädchen mit der Puppe“ (1996) und zuletzt für die TV-Serie „Bloch“ (WDR/SWR) mit Dieter Pfaff als Psychotherapeut Dr. Maximilian Bloch.